10th Juni 2009

Die Odyssee ist zu Ende

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Wer die Geschichte des American Bloudhounds MIMOSO noch nicht kennt, kann sie hier nachlesen:

Die Odyssee des American Bloudhounds von La Cogalera

Endlich ist Mimoso angekommen. Angekommen in seinem neuen Zuhause, in seinem neuen Leben. Becks heißt er jetzt und kann jetzt sein Hundeleben in vollen Massen genießen.

Vor Monaten sahen wir ihn zum ersten Mal in diesem vor Kot starrenden Jägerzwinger, mit traurigen Blick und niedergeschlagener Haltung. Das steinharte Brot, das wir ihm zuwarfen, verschlang er, ohne zu kauen. So ausgehungert war er. Und sind es noch seine Hundekollegen, die dort zurückblieben.

Wir wissen nicht wie es dazu kam, aber Jaume, der alte Herr mit den 120 Hunden, fand ihn im Wald und führte ihn kurzerhand auf seine Finca, wo er ihn versteckte und Clara und mich benachrichtigte.

Schleunigst setzten wir uns ins Auto und sausten los, um den Jägern, die den Hund sicher schon suchten, zuvorzukommen. Denn wir konnten uns nicht vorstellen, dass die übersehen haben, dass ihr teurer Zuchthund “American Bloodhound” fehlte.

Da uns die Pflegestelle im Stich ließ, mussten wir den gutmütigen Riesen in einer versteckt im Wald gelegenen Hundepension unterbringen. Ab da teilte unser “Dicker” sein Leben mit einigen Weimaranern, die Maria-José dort züchtet.

Währenddessen begann die Suche nach einem Zuhause für Mimoso. Es war nicht leicht, denn seine Größe ist recht beachtlich und nicht für eine Stadtwohnung geeignet. Es fanden sich Interessenten, die aber dann wieder absprangen. Eigentlich wollten wir ja, dass er in Spanien bleibt, aber nach ca. zwei, drei Wochen erkannten wir, dass dies unmöglich war.

Hier wollte niemand Hunde und schon gar nicht so einen Riesen. Wir blickten hoffnungsvoll nach Deutschland, Schweiz und Österreich. Jaaaaa, tatsächlich. Es kamen Anfragen herein. Mehrere auf einmal. Zum Schluss hatten wir zwei Familien, die sich um Mimoso bemühten. Eine bei Hamburg, die andere bei Köln.

Die Wahl fiel uns schwer. Bei beiden könnte Mimoso ein artgerechtes Hundeleben führen. In beiden Familien gab es schon Hunde, d.h. es war Hundeverstand vorhanden.

Wir entschieden uns dann für die Familie bei Köln und sagten schweren Herzens der in Hamburg ab. (Von hier aus ein herzliches Dankeschön und einen Gruß von Clara und mir)

Unterdessen hatten wir Mimoso schon kastriert, geschippt, geimpft und auf die typischen Mittelmeerkrankheiten getestet. Dennoch, die Quarantäne für Tollwut beträgt mindestens 21 Tage und so lange musste gewartet werden. Währenddessen stiegen die Kosten für die Pension. Clara und mir wurde schon angst und bang.

Und dann die Frage: Wie sollte Mimoso nach Deutschland kommen? Eine Reise in einem Transporter wollten Clara und ich nicht. Zu viele Stunden in einer Box. Flugzeug wäre das Beste.

Es wurde nach Flügen geschaut. Naja, recht teuer diese Angelegenheit, aber wenigstens schnell. Schneller als auf der Autobahn.

Nach einigem Hin und Her wurde dann ein Flug für den 31.05.2009 gebucht. Uns fehlte aber noch eine Transportbox. Trotz langem Suchen fand ich keine, in die unser Riese gepasst hätte. Die europäischen Vorschriften für Tiertransporte sind sehr streng und wenn die Box nicht den erforderlichen Massen für das jeweilige Tier entspricht, dann kann man gleich wieder nach Hause fahren.

So musste die grösste Box, die es auf dem Markt gibt, für den Dicken bestellt werden. 259 €. Clara und ich schluckten schwer. Du lieber Himmel!!!!!! Das fängt ja gut an. Dann muss ja auch noch die Pension, die sich am 30.05.2009 schon auf 440 € belief, bezahlt werden.

Den Flug teilten sich zum Glück die neue Familie und eine liebe Freundin aus Marbella.

Inzwischen hatten wir auch regen Mailwechsel mit der Familie, bzw. mit Jaennine, der Dame des Hauses. Wir freundeten uns schnell an und Clara und ich wurden immer sicherer, den besten Platz für unseren großen Schmuser gewählt zu haben.

Wir konnten es gar nicht fassen, als Jeannine uns ein Foto ihres Hauses schickte. Clara und ich waren versucht, bei ihr anzufragen, ob sie uns beide nicht auch gleich noch mit adoptieren möchte. Ein 1.100 m2 großer Garten (mit Teich), dazu noch zwei Hunde, Bailey und Tequila, die Mimoso als Spielgefährten hätte.

Am Samstag vor dem Abflug brachte uns Maria-Jose unseren Mimoso, der dann die letzten Stunden in Spanien in der Tierklinik verbringen musste. Währenddessen bauten drei Tierärztinnen die riesige Transportbox auf. Die Tür klemmte, schloss nicht richtig. Na, das konnte ja heiter werden.

Nach meiner nächtlichen Katzenrunde fuhr ich direkt zur Tierklinik wo Clara schon auf mich wartete. Wir hievten die leere Box ins Auto und danach unseren Dicken. Denn freiwillig stieg er nicht ein. 50 kg Lebendgewicht, das nicht ins Auto will!!!!!

Aber die wirkliche Arbeit begann auf dem Flughafenparkplatz. Ich ging noch eine Runde Gassi mit Mimoso, danach musste er in die Box. Da hatten wir aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Unser Riese wollte partout nicht in die Box und stemmte seine dicken, kräftigen Vorderpfoten so fest in den Boden wie er nur konnte.

Clara und ich schwitzen zum Schluss schon, während wir versuchten, den Dicken in die Box zu schieben. Immer wieder entwischte er, wenn wir die klemmende Tür schließen wollten.

Aber nach mehreren Versuchen, konnten wir dann keuchend und schwitzend diese verflixte Tür schließen. Jetzt mussten wir nur noch diese Riesenbox auf diesen kleinen Kofferwagen hinaufhieven. Das war auch so ein Kraftakt. Und dann gut festhalten, denn die Box wäre sonst sofort wieder heruntergerutscht.

Auf ging es zum einchecken. Wobei gesagt sein muss, dass wir vor 7 h schon dort waren und der Flug erst um 8.45 h ausgeschrieben war. Hatten also genügend Zeit. Dachten wir. Aber die Spanier machten uns da einen Strich durch die Rechnung.

Wir wurden angewiesen, auf einen Flughafenangestellten, der sich des Hundes annehmen würde, zu warten. Nun gut, wir warteten. Und warteten. Und warteten weiter. Ja, zum Donnerwetter, wieso kommt denn da keiner?

Endlich, nachdem ich mich schon zweimal beschwert hatte, kam einer dahergetrudelt und bat uns mitzukommen, da die Box noch gescannt werden sollte. Das soll heißen: Der Hund muss aus der Box wieder raus?????????????

Ja genau. Oh nein. Clara und ich schauten uns vielsagend an. Na, das konnte ja heiter werden. Wir ließen den verängstigten Mimoso wieder heraus, warteten bis die Box zurückkam und nun ging das ganze Spielchen wieder von vorne los. Während ich mich mit den Schultern gegen Mimoso stemmte, sagte der Flughafenangestellte, dass er das schon machen würde. Ich müsste hoch, mein Flug ginge.

Mensch, das hatte ich doch glatt vergessen in der ganzen Hektik. Mein Flug!!!! Klar, die Spanier haben uns da über eine Stunde warten lassen und ich wusste jetzt nicht einmal, wie spät es war. Ich sauste los, lies die Kontrollformalitäten über mich ergehen, suchte das “Gate 23”. Mist, ich kenne mich auf dem Flughafen gar nicht gut aus und jetzt in der Eile…….

Endlich fand ich es, von weitem rief mir eine “nette” Dame vom Bodenpersonal schon Kommandos entgegen. “Hierher, aber schnell. Zack-Zack. So geht es ja nicht. Wo waren Sie denn? Alle warten hier nur auf Sie.”

Keuchend erklärte ich, dass ich mich eben erst losmachen konnte, weil man meinen Hund so spät angenommen…… “Papperlapapp. Der Hund ist schon seit einer Dreiviertelstunde hier. Und Sie haben einfach herumgetrödelt!” So viel sie mir ins Wort. Also, so eine Unverschämtheit!!! Da kamen noch zwei Herren dazu, die auch meinten, mir eine Strafpredigt halten zu müssen und bugsierten mich in den Gang.

Als ich durch die Luke schritt, empfing mich eine dt. Stewardess mit spitzen Worten: “Na, da sind Sie ja endlich. Wir haben schon alle auf sie gewartet”. Ich hatte keine Lust mehr, mich rechtzufertigen und suchte genervt meinen Platz auf. Hoffentlich endete der Tag besser als er begonnen hatte.

Nach etwas über eineinhalb Stunden setzen wir zum Landeflug an. Ich fragte mich die ganze Zeit, wie es Mimoso wohl unter mir erging. Und was ich mich auch fragte, war, wie ich alleine diese Riesenbox mit dem 50 kg schweren Hund bewegen sollte.

Da kam sie auch schon, auf einem Spezialwägelchen, das durfte ich aber nicht mitnehmen, dieses Wägelchen, sondern dort lassen, bei dem Flughafenpersonal. Tja, auf diese Kofferkarren passte diese Box ganz und gar nicht.

Da musste ich erst einmal herumlaufen und verschiedene Leute bitten, ob sie mir helfen könnten. Zum Schluss erklärte sich ein Zollbeamter bereit, mich, Mimoso und das Spezialwägelchen nach draußen zu begleiten. Ein Glück.

Während ich noch mit dem hilfsbereiten Beamten plauderte, sah ich aus den Augenwinkeln ein paar Schatten auf mich zukommen und im Nu war ich umarmt. Es war unsere Martina. Und beim anderen Schatten handelte es sich um Jaennine. Freudige Begrüßung allerseits. Jeannine stellte mir ihre Kinder und Ehemann vor. Und auch die kleine Bailey war mit dabei. Damit Mimoso sich nicht so allein fühlt in dieser hektischen und ungewohnten Situation.

Alle redeten durcheinander, lachten und begutachteten den verängstigten Mimoso in seiner Riesenbox. Wir ließen ihn heraus und machten natürlich eine Menge Fotos für das Album. Er wurde gestreichelt, es wurde ganz sanft mit ihm gesprochen. Aber klar, das arme Tier war total verängstigt. Wir wollten ihn nicht länger in dieser Situation lassen, bauten die Box auseinander, luden sie in Martinas Auto und dann Mimoso in das Auto seiner neuen “Meute”.

Noch ein paar Sätze und die besten Wünsche für die Zukunft und wir bleiben in Kontakt. Dann kam das letzte Streicheln von Mimoso, ein letzter Blick in die Augen. Tür zu. Winken. Adiós und alles Gute. Und so fuhr er davon. Unser sanfter Riese.

Martina und ich fuhren dann zu ihr nach Hause, ich konnte ihre prächtigen Galgos bewundern und danach ging es in den Wuppertaler Wald zum Spaziergang. Wie vermisse ich doch den deutschen Wald. Dieses herrliche Grün, diese Buchen und Eichen, das Vogelgezwitscher.

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Nach dem Spaziergang mussten wir uns sputen, denn das Flugzeug wartete. Was ich auch diesmal nur in der letzten Minute erwischte.

Clara holte mich vom Flughafen ab und sie wollte natürlich genau wissen, wie es Mimoso ergangen ist. Ich beruhigte sie. Wir hatten eine gute Wahl getroffen. Jeannine hatte sogar Wasser zum Flughafen mitgebracht. Und als sie weg fuhren, sind sie erst mal zu einer Hundeschule gefahren, damit sich dort Mimoso und Tequila, ihre fr. Bordeaux-Dogge, erst einmal auf neutralem Gelände kennenlernen könnten. Das zeugt von Hundeverstand und Clara und ich waren glücklich, Mimoso in solch einer Umgebung zu wissen.

Zuhause angekommen, hatte ich schon die ersten Fotos von Mimoso, der jetzt “Becks” hieß, zwischen meinen Mails. Mir kamen die Tränen, wie ich ihn da so sah. Wie er sich auf dem grünen Rasen wälzte, den Stoffelefant von Bailey stibitzt hatte und dann völlig erschöpft auf dem Rasen einschlief.

Jaennine und ihre Familie freute sich auch, dass alles so gut gelaufen ist. Und sie hatten sich jetzt selbst davon überzeugen können, dass Mimoso/Becks wirklich ein ganz lieber und verschmuster Hund ist. Und er zieht auch gar nicht an der Leine.

Jaennine wundert sich, dass Mimoso überhaupt nicht bellt. Er ist einfach nur da und ist glücklich. Sie erzählt, dass er immer ihre Nähe sucht und um Streicheleinheiten bittet. Mit Tequila und Bailey versteht er sich prächtig. Es gab keine Rauferei, nichts.

Mimoso kann sein Leben jetzt endlich so leben, wie es immer schon hätte sein sollen. Wie gerne würden wir alle seine Leidensgenossen, die in diesen schrecklichen Zwingern zurückgeblieben sind, befreien. Doch die Anzeige gegen den Jäger läuft und wir dürfen uns jetzt nicht einmal mehr in die Nähe dieser Zwinger wagen. Denn jeder fehlende Hund würde uns angelastet werden. Mimoso hatte sich ja selbst irgendwie befreit. Und da sich sein Besitzer nicht einmal die Mühe gemacht hat, ihn zu suchen, gehört Mimoso gesetzlich nach 20 Tagen demjenigen, der ihn gefunden hat.

Wir hoffen aber, dass wir alle gemeinsam noch mehr solcher Hunde retten können, auch wenn wir in vielen Fällen gegen das Gesetz verstoßen werden.

Wenn wir darauf warten, dass die Behörden endlich eingreifen, sind viele Tiere schon elendiglich eingegangen. Deshalb werden wir uns weiterhin auf Privatgrundstücke begeben müssen und versuchen, zu retten, was zu retten ist.

Caroline Waggershauser

Fotoalbum: MIMOSO
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Mittwoch, Juni 10th, 2009, 01:40 | Allgemein, CPA Bürger für Tiere | kommentieren | Trackback

4 Kommentare zu “Die Odyssee ist zu Ende”

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  1. 1 10. Juni 2009, Rita Kleb schreibt:

    Ach, was für eine rührende Geschichte! Zum Weinen schön! Hoffentlich gelingt es Euch, auf diese Weise noch viele Hundeseelen retten und in ein ebenso glückliches Zuhause vermitteln zu können!
    Danke Euch beiden, für diese geglückte Rettungsaktion!
    Weiterhin viel Erfolg bei solchen und allen anderen Aktivitäten!

    Liebste Grüße
    Rita

  2. 2 11. Juni 2009, Katharina schreibt:

    Eine wirklich zu Tränen rührende Geschichte! Es ist immer wieder schön zu lesen, das es Menschen gibt die für Tiere alles tun.
    Auch wenn man gegen Gesezte verstoßen muß, ich finde es richtig. Denn anders kann man manchmal kein Tier retten!
    Danke und machts weiter so

    Lieben Gruß
    Katharina

  3. 3 11. Juni 2009, Isabelle Meyerhans schreibt:

    Kaum zu fassen, den Riesenstress den du ausstehen musstest, im Flughafen und dann noch blöd angequatscht zu werden. Aber zum Glück hat es sich wirklich gelohnt. Hier in Jerez werden alle Hund an die Kette gelegt, die in “campos” leben. Die armen Tiere tun mir leid. Aber das ist hier selbstverständlich, denn Sensibilität diesen Geschöpfen gegenüber kennt man nicht. Natürlich sind alle diese Hunde verhaltensgestört, da sie keinerlei Bewegung haben ausser sich endlos im Kreise zu drehen. “Locura sin sensis” heisst das.

  4. 4 12. Juni 2009, TINA schreibt:

    Das finde ich echt klasse.Ein grosses Lob an euch.Macht weiter so

    LG Tina

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