31st August 2009

Aus dem Tagebuch einer Tierschützerin 31. August

Carolinchen und das hysterische Weibsbild

Moin, moin, Martinchen. Heute ist mir was passiert. Ich hab vielleicht ne Wut im Bauch. Hysterische Weibsbilder gibt`s. Nicht zu fassen.
Seitdem wir in dem Lokal sind, habe ich schon die verschiedenen Katzengruppen, die im Umkreis leben, unter die Lupe genommen. Da gibt es ein kleines Grüppchen, 2 Kater und eine Katze, die an einer kleinen begrünten (naja, das mit “grün”…. wohl eher braun verbrannt) Straßenecke inmitten eines belebten Stadtviertels lebt.

t-fressen-im-schutz-der-pflanzen.jpg

Fast täglich, nach meiner Rückkehr von der Katzenrunde sah ich eine ältere Frau, die ihnen Futter brachte. Sie lassen sich sogar von ihr anfassen. Obwohl ich versuchte, mit ihr ins Gespräch zu kommen, war sie immer recht kurz angebunden.

t-cuidadora-de-colonia-de-gatos-19082009-red.jpg

Aber weißt ja, ich lass nicht locker und die letzte Woche haben wir schon nett geplaudert. Über Straßenkatzen natürlich. Sie sprach von der Notwendigkeit, diese Tiere zu kastrieren, da sie sonst alle 4 Monate (hier im warmen Mittelmeerklima werden die Katzen bis zu 4 mal im Jahr rollig) Junge haben. Und die werden dann überfahren, werden krank… naja, das Thema kennen wir ja zur Genüge.

Ich erklärte mich bereit, “ihre” Katzen einzufangen, kastrieren und zu impfen. Sie war begeistert. Sie sagt, ja, unbedingt, das müssen wir machen. Schau die Kleine ist schon wieder trächtig. Ja, ich hatte ihr beginnendes Bäuchlein bemerkt.

t-schwarzer-kater-und-bunte-schwangere-katze.jpg

So verblieben wir für heute, denn ich brauchte diese Frau, um die Katzen mit dem Netz einfangen zu können. Mich kannten sie noch nicht und misstrauten mir daher. Aber wenn sie da ist, wuseln sie immer um uns herum. Da wäre es ein Leichtes alle drei in einer Nacht einzufangen.

So erhob ich mich um halb drei mit einer Müdigkeit…. seufz. Am Abend zuvor hatte ich einen Katzennotfall eines Nachbarn zu betreuen und kam spät ins Bett. Meine Katzenrunde ohne Vorkommnisse, zurück zum Lokal, fütterte und säuberte meine Katzen, wischte das Lokal durch, schnappte mir das Netz und die Lebendfalle und begab mich zu dieser Straßenecke.

Die Falle stellte ich schon einmal auf, für das Netz musste ich auf diese Frau warten. Ich setzte mich müde (es war erst 5 h) auf ein Mäuerchen und beobachtete die Lebendfalle. Ich wiederum wurde von Marokkanern beobachtet. Aus Augenwinkeln beobachtete ich sie misstrauisch. Aber sie zogen von dannen. Ein Glück. Dieses Stadtviertel ist bei Dunkelheit ganz und gar nicht zu empfehlen. Aber was soll ich machen? Katzen sind Nachttiere.

Und so sass ich da und wartete. Auf einmal kam ein Herr des Weges, bemerkte die Lebendfalle und näherte sich ihr. Ich rief ihm leise zu, dass er sich doch bitte davon entfernen sollte, da ich hoffte, dass da gleich eine Katze reingeht. Er kam neugierig zu mir herüber und fragte, was ich denn da mache. Im Flüsterton erklärte ich es ihm.

Ah, ja, das ist gut. Hier gibt es immer Katzen und die schreien nachts so und dann stinkt´s auch manchmal sehr. Jaja. Sehr gut. Ich war müde und hatte keine große Lust auf eine Unterhaltung. Immer wieder schaute ich die Strasse hinunter, um zu sehen, ob diese Frau schon im Anmarsch ist. Die Katzen wuselten zwischenzeitlich misstrauisch unter den geparkten Autos herum, aber näher kamen sie nicht.

t-grauer-kater-unter-auto.JPG

Da kam sie endlich. Als sie mich da sitzen sah, mit dem Netz neben mir und der aufgestellten Falle, war sie einer Ohnmacht nahe. Sie rief: Ay no, ay no. Das kann ich nicht. Rechne nicht mit mir, die Katzen zu fangen. Ay no. Ay nooooo. Ich kann das nicht mit ansehen. Die Armen. Sie werden sich erschrecken und sie werden schreien. Ay no. Ay noooo. Ich kann das nicht. Bitte, bitte, tue ihnen nichts. Mein Herz. Mein Herz würde das nicht aushalten.

Ich glaube, selten hat man ein dümmeres Gesicht gesehen als das meine in diesem Moment.

Ich versuchte sie zu beruhigen. “Aber “señora”, wir waren doch für heute verabredet, die Katzen einzufangen. Wenn Sie nicht da sind, ist das unmöglich. Sie kennen sie und werden sich nähern. Mir werden sie sich nicht nähern. Helfen Sie mir bitte, die Katzen zu fangen. Sehen Sie denn nicht, dass die Kleine schon einen dickeren Bauch hat? Wir können nicht mehr lange warten”.

Ay nooo. Qué no puedo. Ich kann nicht. Ich kann das nicht sehen, wenn sie leiden. Ich antwortete ihr, diesmal schon etwas ungeduldig, dass diese Katzen, wenn sie nicht kastriert und geimpft werden, weitaus mehr leiden werden und irgendwann wohl elendiglich an einer Krankheit zugrunde gehen, als im Moment des Einfangens und dann nochmal in der Klinik, bevor man ihnen die Narkose gibt. Naja, und nach der OP.

Ich mag´s auch nicht, aber da müssen sie eben durch, die Katzen. Anders geht´s nichts. Sie antwortete in hysterischem Ton: Si, si. Aber ich will das nicht sehen. Nun, schlug ich ihr vor: Lassen Sie mir das gewohnte Futter (gekochten Schinken) da, Sie gehen und ich werde versuchen, sie alleine einzufangen. Oh nein, oh nein, du wirst ihnen wehtun und du wirst sie nicht mehr zurückbringen.

Oh Mann. Martina. Ich habe ja wirklich viel Geduld. Aber nach einer durchwachten Nacht, müde bis zum Geht-nicht-mehr und dann so ein hysterisches Weibsbild. Wieso müssen Frauen immer nur so überreagieren? Da mischte sich der nette Herr ein und meinte, dass sie doch nach Hause gehen solle und mir das ganze überlassen.

Aber sie rief und zeterte und weinte und überhaupt, ihr Herz. Sie habe ein schwaches Herz und würde das nicht durchstehen. Durchstehen? Was denn durchstehen? Wenn hier einer was durchstehen muss, bin das ja wohl ich. Nächtelang treibe ich mich auf den Strassen umher um Katzen einzufangen, gebe so viel Geld für ihr Futter aus, so viel gebe ich noch nicht mal für das Essen für meinen Sohn und mich aus.

Ich versuchte ihr nochmal klar zu machen, dass, wenn sie nicht dableibt, ich die Katzen nicht einfangen kann, denn zu ihr haben sie Vertrauen. Nein, sie weinte und zeterte. Martina, wirklich, mit überkam eine Wut. Wie kann man nur so hysterisch sein?

Der nette Herr überzeugte sie, dass sie doch besser gehen sollte. Schluchzend zog sie von dannen. Aber klar, die Katzen kamen nicht herüber. Dieses ganze Theater hatte sie misstrauisch gemacht. Und ich hatte gehofft, dass ich heute diese drei auf einen Streich einfangen könnte. Aber klar, wenn mir diese Frau nicht wenigstens durch ihre bloße Anwesenheit dabei hilft, wird das noch lange dauern.

Denn jetzt muss ich die Tiere erst einmal an mich gewöhnen, damit sie Vertrauen fassen und das dauert Wochen und währenddessen wird die Kleine immer dicker. Ich mag es gar nicht, Katzen zu sterilisieren, wenn wirklich nur noch ein paar Tage bis zur Geburt fehlen. Das tut echt weh. Ich hab ab und zu mal zugeschaut, wenn Loli und Clara hoch trächtige Katzen sterilisierten. Die Kleinen waren total ausgereift, lebensfähig als sie sie aus dem Bauch der Mutter herausnahmen. Nein, das geht mir ziemlich gegen den Strich. Aber was soll man machen.

Und diese Kleine ist noch ziemlich am Anfang und ich will sie unbedingt jetzt einfangen. Aber dieses hysterische Weibsbild ist mir da wohl keine große Hilfe. Ich koche vor Wut, wirklich. Nicht zu fassen. Und mit Schlaf wird´s jetzt auch nichts mehr. Es ist schon halb acht und heute erwartet mich viel Arbeit außer Haus. Tierschutzarbeit, klar.

Montag, August 31st, 2009, 23:55 | Allgemein | kommentieren | Trackback

7 Kommentare zu “Aus dem Tagebuch einer Tierschützerin 31. August”

Diese Beitrag kommentieren.

  1. 1 18. Oktober 2009, Tina Herbst schreibt:

    Wer genau reagiert denn da nun hysterisch? Die alte Dame wollte nur “ihre” Tiere schützen. Wahrscheinlich hat sie sich jahrelang gegen irgendwelche dubiosen spanischen Tierfänger durchsetzen können. Da muss man mal nicht per se einer deutschen Tierärztin vertrauen, die eine schlaflose Nacht opfert, um einer Katzenmama die lebensfähigen Babies aus dem Bauch zu operieren. Kastrationen sind wichtig – keine Frage. Aber wenn das Katzentier schon soweit ist, dann soll es doch die Junge bekommen. Muss man dann eben vermitteln. Wo bitte liegt der Sinn die lebensfähigen Welpen zu töten? So etwas ist hysterischer Aktionismus.

  2. 2 19. Oktober 2009, Caroline Waggershauser schreibt:

    Meine allgemeine Stellungnahme zu diesem Thema haben Sie sicher schon in Form eines Links zugesandt bekommen. Doch hier möchte ich nun ganz speziell auf diese beiden Kätzchen eingehen, deren Lebenslauf mir ihre Pflegerin bei den verschiedenen Fütterungen erzählt hat. Die beiden sind die einzigen Überlebenden eines Wurfs. Die Elterntiere sind “verschwunden”, sicher nicht freiwillig, denn Katzen sind ortstreu. Diese kleine Katze hatte vor Monaten schon einen Wurf, vier waren es, dem der Garaus gemacht wurde. Gerade als sie anfingen, mit noch unbeholfenen Schritten und neugierigem, vertrauensvollem Blick hinter ihrer Mutter herzulaufen, wurden sie in einem Wassereimer ertränkt. Alle vier. Von dem Besitzer des Gartens, der hinter seinem Friseurladen liegt. Er hatte die Biester satt, die sich da in seinem Garten gemütlich machten. Können Sie sich vorstellen, was diese Kleinen gelitten haben? Können Sie sich vorstellen, was das Muttertier gelitten haben muss? Katzen sind äusserst sensible Tiere und man kann schon fast sagen, “Übermütter”. Ich habe Katzenmütter tagelang verzweifelt nach ihren Kleinen schreien hören. Nun, hätten diese vier Welpen überlebt, wären sie früher oder später überfahren worden, da sie an einer Strassenecke einer vielbefahrenen Allee “wohnen”, auch nachts jagen da Autos hindurch. Hätten sie dies überlebt, wären sie zweifelsohne in die Hände von einigen grausamen Kindern gefallen, die in die nur 50 m entfernte Schule gehen. Und hätten sie auch das überlebt, hätten sie sich fortgepflanzt, mit dem Ergebnis, dass die Nachbarn dann irgendwann einmal den Katzenfänger gerufen hätten, was den sicheren Tod bedeutet. Oder sie hätten Giftköder gelegt. Frage: Ist in diesen Fällen das sanfte Entschlafen im Mutterleib durch deren Narkose nicht vorzuziehen? Sie sprechen von vermitteln. Wo bitte hätte man das wilde Muttertier mitsamt den Kleinen so lange halten sollen, bis sie mit drei Monaten adoptionsfähig sind? Die wenigen Pflegestellen sind überfüllt, Tierheime kommen nicht in Frage (siehe Beitrag)Ausserdem, keiner will hier Tiere. Man sieht es ja. Spanien ist von ausgesetzten Tieren aller Art regelrecht übersät. Von der Katze bis hin zum Pferd. Spanier haben Tieren gegenüber kein Verantwortungsgefühl, so wie wir das im zivilisierten Europa haben. Die wenigen, die Tiere lieben, haben so viele, dass sie manchmal nicht mehr wissen, wie sie sie ernähren sollen. Ich selbst habe 24 Katzen, die keiner haben wollte, ich aber hoffte, ihnen einen guten Platz zu finden. Und wie es aussieht, werden es bald 25 sein. Eine Rettung eines ein Wochen alten Katzenwelpen. Ja, so sieht die Wirklichkeit aus. Dieses Kätzchen fanden wir nachts, achtlos weggeworfen auf einem Kakteenhain. Das ist die schreckliche Wirklichkeit der Katzen in Spanien. Und auch in anderen Ländern. Vermitteln von Tieren ins Ausland auf Teufel komm raus ist nicht die Lösung. Die betroffenen Länder müssen sich bemühen, im Tierschutz weiterzukommen. Sie dürfen sich dessen gewiss sein: niemand von uns nimmt den Tod von ungeborenen Welpen auf die leichte Schulter. Doch dieser sanfte Tod ist alle Male all den schrecklichen Todesarten, denen diese Tiere ausgesetzt sind, vorzuziehen. Die junge Katze erfreut sich übrigens bester Gesundheit. Eben erst kam sie mir fröhlich entgegengaloppiert und freute sich schon auf ihre Portion leckeres Dosenfutter. Niemals wieder wird sie mit ansehen müssen, wie jemand ihre Welpen tötet. Demnächst wird sie ihre zweite Impfung erhalten und somit ist sie auch vor all diesen entsetzlichen Katzenkrankheiten geschützt. Mehr können wir nicht tun.

  3. 3 19. Oktober 2009, Kevin&Christina schreibt:

    Liebe Caroline du hast völlig recht in dem was du sagst besser die Kätzchen schlafen im Mutterleib friedlich ein.Natürlich ist das sehr traurig ich habe selbst 2Katzen eine von Spanien von der Straße und mit Sicherheit wurde sie geschlagen und getreten so wie sie sich verhalten hat am Anfang.Man muß aber abwägen was das beste ist für die kleinen und mit Sicherheit nicht die Straße sondern das sanfte einschlafen im Mutterleib.Solche dummen Aussagen von Leuten man solle die Katzen vermitteln verstehe ich nicht waren die noch nie im Ausland???kennen die das Elend nicht??ich habe es zu oft schon erlebt in unzähligen Urlauben und es ist nun mal Kastration die einzige Lösung auch wenn die Babys dann im Mutterleib sterben besser als das sie diesen elendigen Tierquälern in die Hände fallen und die gibts dort an jeder Ecke.LiebenGruß von uns 4

  4. 4 19. Oktober 2009, Claudia schreibt:

    Liebe Caroline,

    Es gibt sehr,sehr wenige Tierschutzengel wie Dich!
    Gäbe es mehr von Deiner Sorte,würde die Welt für Tiere in Not
    nämlich einiges besser aussehen.
    Ich habe nicht viele Menschen im Tierschutz getroffen die beides habn nämlich Herz und Verstand-Du hast es und das beweist Du auch mit jedem Deiner “Tagebucheinträge einer Tierschützerin”.
    Aber Frau Herbst kann ja mal Deine (bei jedem Wetter)Futtertour übernehmen, die Du jede Nacht für die Aermsten der Armen durchführst.Vielleicht wird dann auch Frau Herbst klar,das es Taten braucht ,statt nur rumgemecker an Leuten die den Tierschutz mit jeder Faser Ihres Herzen auch leben, und nicht nur davon reden.
    Geboren um Tiere zu schützen,dass genau bist Du Caroline und Du machst es genau richtig,so wie Du es machst!Die Tiere und
    viele Tierschützer sind Dir dafür sehr dankbar!

    LG Claudia

  5. 5 19. Oktober 2009, Jeannette schreibt:

    @Tina Herbst

    Ich denke man sollte das Elend auf dieser kalten Welt nicht noch größer machen, als wie es jetzt schon ist. Oder meinen Sie allen ernstes, dass all die armen herrenlosen Tiere (eigentlich unsere Haustiere) jemals alle ein Zuhause finden werden oder fähig sind sich unter Zwang dem unseren Leben anzupassen?
    Dann schauen Sie bitte mal in nur eine der vielen Vermittlungsseiten für Tierschutzvereine hinein. Es wird Sie förmlich erschlagen, versprochen!

  6. 6 30. Dezember 2009, Von Fueberg schreibt:

    Ein sehr guter Beitrag, informativ und sehr gut formuliert … ich hoffe das auch in Zukunft solch gute Beitraege geschrieben werden, also weiter so machen! Lieben Gruss

  7. 7 20. April 2011, Annalena schreibt:

    warum hat den keiner die katzenbabys genommen ich hätte die ja mit nach hause genommen und behalten und nicht auf der straße leben lassen.

    @ Annalena
    Wohin mit so vielen Katzen, es sitzen Abertausende auf der Straße?

Kommentar Schreiben

  • sos-galgos.net

  • Facebook


SOS Galgos - Aus dem Tagebuch einer Tierschützerin 31. August

Switch to our mobile site