8th Oktober 2009

Aus dem Tagebuch einer Tierschützerin, 8.Oktober

Ausgeraubt

Also, heute morgen, so gegen 3 Uhr, tappe ich mit noch schlafumnebelten Kopf Richtung Auto, öffne hinten, lade die schweren Futterrucksäcke ab und Charly gleich dazu, schließe, gehe nach vorn…… da sehe ich durch das Seitenfenster ein rotes Licht aufleuchten, das anzeigt, dass eine Tür nicht richtig geschlossen ist. ??????? Aber ich hab doch eben hinten abgeschlossen.

Ich bleibe vor der Tür stehen und versuche, langsam wach zu werden. Wieso leuchtet denn das Warnlämpchen auf? Ich zwinkere, da bemerke ich, dass die Türsicherung auf der Seite des Beifahrers oben ist. ???????? Gestern ist doch niemand mit mir mitgefahren. Und ich achte doch immer darauf, dass alles zu ist. In diesem Stadtviertel ist das äußerst ratsam.

Da sehe ich, dass auch auf der Fahrerseite der Knopf oben ist. Da bin ich aber mit einem Schlag wach. Was ist denn nun los?????? Ich will sie öffnen und merke, dass sie nur angelehnt ist. Ja, verdammt, was ist denn hier passiert?

Da fällt mein Blick auf das seitliche Schiebefenster….. es stand weit offen. Das gibt´s doch nicht!!!!!!!!! Die haben mir das Auto aufgemacht, aufgebrochen. Ich setze mich hinters Lenkrad, fassungslos. Das Handschuhfach ist offen, alles durchwühlt. Bei der Dunkelheit kann ich nicht feststellen, ob was fehlt.

Nun, die Autopapiere sind da. Ein Glück. Was wollte auch jemand mit Papieren eines 14 Jahre alten Autos? Irgendwie wirkte das Auto leer, wusste aber nicht, was fehlte. Ich war noch zu müde, um irgendwie denken zu können. Außerdem war es viel zu dunkel, um etwas erkennen zu können.

Ich fahre erst mal zur Kolonie und stelle das Auto unter eine Straßenlaterne. Das Fangnetz ist weg, die Transportbox, verschiedene Decken, die verschiedenen Futternäpfe……. und da dämmert es mir: Klar, die beiden schwarzen Koffer auch. So ein Mist aber auch. Verdammt nochmal.

Es waren Koffer, Diplomatenkoffer nennt man die wohl. Die waren beide voll bis oben hin mit Dingen, die man für Tierrettungen braucht. Der eine war voller Futter verschiedener Art, im anderen waren eine vollkommene Regenausrüstung für mich und Kleidung zum wechseln, falls ich mal bei einer Tierrettung oder auf der Katzenrunde patschnass oder schmutzig werden sollte.

rettungskoffer-voller-futter-red.jpg

Außerdem Notfallmedikamente, diverse Spritzen, Katheter, Verbandszeug usw. Handwerkszeug wie eine Säge, Hammer, Schraubenzieher und verschiedene Beißzangen. Die grösste einen halben Meter lang, mit der man alle Arten von Ketten, hinter denen sich leidende Tiere befanden, durchtrennen konnte. Dann noch Halsbänder, Leinen und Maulkörbe verschiedener Größen. Sowie eine große Auswahl an verschieden starken Taschenlampen plus Batterien. Man weiß ja nie.

Sogar ein Pferdehalfter. Auf Spaniens Landstraßen kann einem alles mögliche an ausgesetztem Getier vor das Auto laufen. Es waren auch zusammenklappbare Vogelkäfige drin. Für den Fall, dass ich mal Vögel finde. Auch schon passiert. Ein Pferd, Pony oder Esel habe ich bis jetzt allerdings noch nicht gefunden. Wohl aber ein sterbendes Schaf, das von seinem gewissenlosen Besitzer einfach in der prallen Augustsonne mitten in der Pampa zurückgelassen worden ist.

Alles weg. Verdammt noch mal. Diese Typen haben sicher die Koffer von außen gesehen und haben gedacht, da wäre wer weiß was drin. Zurück haben sie nur die schwere Metallleiter gelassen, verschiedene Regenschirme und den halben Sack Heu (Wie gesagt, falls ich mal ein Pferd finden sollte).

Ich bin vielleicht sauer. Als ob ich nicht schon genug Ausgaben mit der Fütterung und Sterilisierung von den Straßenkatzen zu tun hätte. Jetzt kann muss ich erst mal wieder alles neu kaufen. Ich könnt mir in die Nase beißen vor Wut.

Mein erster Gedanke gilt natürlich dem, eine Anzeige aufzugeben. Aber ich verwerfe dies wieder. Anzeige gegen Unbekannt? Ich seh schon das unterdrückte Grinsen der Polizeibeamten, während ich die Geschichte erzähle. Eine Anzeige weil jemand Tierfutter geklaut hat. Hahahaaaaa, wie lustig. Als ob es nichts Wichtigeres gäbe.

Während ich so vor mich hinschimpfe, bemerke ich auch, dass der Greifarm fehlt. Das ist ein Gerät, ca. einen halben Meter lang, mit dem man kleinere Tiere aus engen Löchern, Rohren u.ä. herausholen kann. Mist. Auch das noch.

Insgeheim beglückwünsche ich mich zu der Entscheidung, die Lebendfallen nicht mehr im Auto gelassen zu haben. Seit wir in diesem Stadtviertel das Lokal haben, ziehe ich es vor, diese Geräte doch lieber in Sicherheit zu wiegen. Die kosten inzwischen auch schon über 200 €.

Was natürlich zur Folge hat, dass ich nicht mehr spontane Rettungen wie z.B. im Wald oder auf der Landstraße, durchführen kann. Hätte man mir aber auch noch die Lebendfallen geklaut, ich glaube, ich wäre vor Wut in Ohnmacht gefallen.

Und ich bin mir sicher, dass der oder die Typen, nachdem sie die Koffer geöffnet haben, alles in den nächsten Müllcontainer geworfen haben. Aber wieso mussten sie auch noch das Netz, die Box, den Greifarm, die Decken und die Futternäpfe mitnehmen? Wer um alles in der Welt will denn solche Sachen?

Nach der Katzenrunde klappere ich dann erst mal einige Müllcontainer meiner Umgebung ab. Nichts. Sicher ist ja schon inzwischen die Müllabfuhr gekommen.

Noch immer begreife ich nicht, wie jemand ein solches Auto aufbrechen kann. Von außen sieht man ja schon, was der/die Besitzer/in so tut. Schließlich geben Netz, Transportbox, Decken, Wassernäpfe und Wasserflaschen ja wohl mehr als ein Zeugnis darüber aus, was in diesem Auto noch so alles drin sein könnte. Wertsachen ganz sicher nicht.

Es handelt sich schlicht und einfach um ein Tierrettungsfahrzeug. Weiter nichts.

rettungsauto-mit-besatzung-und-ausrustung.JPG

Caroline

Donnerstag, Oktober 8th, 2009, 22:45 | Allgemein | RSS 2.0 | kommentieren | Trackback

6 Kommentare zu “Aus dem Tagebuch einer Tierschützerin, 8.Oktober”

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  1. 1 9. Oktober 2009, Kevin&Christina schreibt:

    Oh nein Caroline das tut mir sehr Leid was dir passiert ist ich leide gerade mit dir bin ganz traurig.Es trifft doch immer die falschen und dir arme Caroline bleibt ja echt nichts erspart.Und dann auch noch soviele wichtige und teure Dinge für deinen unermüdlichen Einsatz für die Tiere es tut mir wirklich so Leid was ist das nur für ein Land in dem du lebst.Bin in Gedanken bei dir und schicke dir viel Kraft für alles.Liebe Grüße von uns 4

  2. 2 9. Oktober 2009, Dr. Inge Landzettel schreibt:

    Hallo,

    das tut mir sehr leid. Es trifft doch meistens die Falschen, ich meine, Sie haben das wirklich nicht verdient!

    Herzliche Grüße

    Inge Landzettel

  3. 3 9. Oktober 2009, Ma Isabel Meyerhans Moreno schreibt:

    Eine Gemeinheit sondergleichen. ist das. Was für ekelhafte Typen es doch gibt, die nichts anderes zu tun haben als den anderen etwas zuleide zu tun. Und die Tiere sind denen ja sowieso wurst. Einsperren und zu Zwangsarbeit verurteilen sollte man sie!

  4. 4 14. Oktober 2009, I. Gödde schreibt:

    Caroline braucht nicht unser Mitgefühl, sondern unsere Hilfe. Wenn jeder ein bisserl was spenden würde, dann könnte Sie das nötigste für Ihre Rettungsversuche wieder kaufen.
    Viele Grüße aus Bayern

  5. 5 22. Februar 2010, Rita Kleb schreibt:

    Ja, genau das braucht Caroline außer Mitleid: finanzielle Unterstützung, um sich all die gestohlenen Dinge wieder anschaffen zu können. Sonst werden ihre nächtlichen Aktivitäten nahezu erfolglos. Füttern alleine stillt zwar den Hunger der von ihr betreuten Samtpfoten, sie kastrieren zu lassen, um deren ungebremster Vermehrung zu verhindern, kostet allerdings Geld, das sie nicht hat.
    Mitleid alleine genügt nicht, – sie braucht unser aller finanzielle Hilfe für sich und für die Tiere, denen sie helfen will. – Mit jedem gespendeten Euro, verringert sich ihre permanente finanzielle Notlage, und gibt ihr Mut und Hoffnung, weiterzumachen.

  6. 6 22. Februar 2010, Rita Kleb schreibt:

    Ja, genau das braucht Caroline außer Mitleid: finanzielle Unterstützung, um sich all die gestohlenen Dinge wieder anschaffen zu können. Sonst werden ihre nächtlichen Aktivitäten nahezu erfolglos. Füttern alleine stillt zwar den Hunger der von ihr betreuten Samtpfoten, sie kastrieren zu lassen, um deren ungebremster Vermehrung zu verhindern, kostet allerdings Geld, das sie nicht hat.
    Mitleid alleine genügt nicht, – sie braucht unser aller finanzielle Hilfe für sich und für die Tiere, denen sie helfen will. – Mit jedem gespendeten Euro, verringert sich ihre permanente finanzielle Notlage, und gibt ihr Mut und Hoffnung, weiterzumachen.
    Liebe Grüße, Caroline. Ich hoffe sehr, es geht bald wieder aufwärts mit Dir, Du tapfere Tierschützerin!
    Rita

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