Aus dem Tagebuch einer Tierschützerin, 8.Oktober
Ausgeraubt
Also, heute morgen, so gegen 3 Uhr, tappe ich mit noch schlafumnebelten Kopf Richtung Auto, öffne hinten, lade die schweren Futterrucksäcke ab und Charly gleich dazu, schließe, gehe nach vorn…… da sehe ich durch das Seitenfenster ein rotes Licht aufleuchten, das anzeigt, dass eine Tür nicht richtig geschlossen ist. ??????? Aber ich hab doch eben hinten abgeschlossen.
Ich bleibe vor der Tür stehen und versuche, langsam wach zu werden. Wieso leuchtet denn das Warnlämpchen auf? Ich zwinkere, da bemerke ich, dass die Türsicherung auf der Seite des Beifahrers oben ist. ???????? Gestern ist doch niemand mit mir mitgefahren. Und ich achte doch immer darauf, dass alles zu ist. In diesem Stadtviertel ist das äußerst ratsam.
Da sehe ich, dass auch auf der Fahrerseite der Knopf oben ist. Da bin ich aber mit einem Schlag wach. Was ist denn nun los?????? Ich will sie öffnen und merke, dass sie nur angelehnt ist. Ja, verdammt, was ist denn hier passiert?
Da fällt mein Blick auf das seitliche Schiebefenster….. es stand weit offen. Das gibt´s doch nicht!!!!!!!!! Die haben mir das Auto aufgemacht, aufgebrochen. Ich setze mich hinters Lenkrad, fassungslos. Das Handschuhfach ist offen, alles durchwühlt. Bei der Dunkelheit kann ich nicht feststellen, ob was fehlt.
Nun, die Autopapiere sind da. Ein Glück. Was wollte auch jemand mit Papieren eines 14 Jahre alten Autos? Irgendwie wirkte das Auto leer, wusste aber nicht, was fehlte. Ich war noch zu müde, um irgendwie denken zu können. Außerdem war es viel zu dunkel, um etwas erkennen zu können.
Ich fahre erst mal zur Kolonie und stelle das Auto unter eine Straßenlaterne. Das Fangnetz ist weg, die Transportbox, verschiedene Decken, die verschiedenen Futternäpfe……. und da dämmert es mir: Klar, die beiden schwarzen Koffer auch. So ein Mist aber auch. Verdammt nochmal.
Es waren Koffer, Diplomatenkoffer nennt man die wohl. Die waren beide voll bis oben hin mit Dingen, die man für Tierrettungen braucht. Der eine war voller Futter verschiedener Art, im anderen waren eine vollkommene Regenausrüstung für mich und Kleidung zum wechseln, falls ich mal bei einer Tierrettung oder auf der Katzenrunde patschnass oder schmutzig werden sollte.

Außerdem Notfallmedikamente, diverse Spritzen, Katheter, Verbandszeug usw. Handwerkszeug wie eine Säge, Hammer, Schraubenzieher und verschiedene Beißzangen. Die grösste einen halben Meter lang, mit der man alle Arten von Ketten, hinter denen sich leidende Tiere befanden, durchtrennen konnte. Dann noch Halsbänder, Leinen und Maulkörbe verschiedener Größen. Sowie eine große Auswahl an verschieden starken Taschenlampen plus Batterien. Man weiß ja nie.
Sogar ein Pferdehalfter. Auf Spaniens Landstraßen kann einem alles mögliche an ausgesetztem Getier vor das Auto laufen. Es waren auch zusammenklappbare Vogelkäfige drin. Für den Fall, dass ich mal Vögel finde. Auch schon passiert. Ein Pferd, Pony oder Esel habe ich bis jetzt allerdings noch nicht gefunden. Wohl aber ein sterbendes Schaf, das von seinem gewissenlosen Besitzer einfach in der prallen Augustsonne mitten in der Pampa zurückgelassen worden ist.
Alles weg. Verdammt noch mal. Diese Typen haben sicher die Koffer von außen gesehen und haben gedacht, da wäre wer weiß was drin. Zurück haben sie nur die schwere Metallleiter gelassen, verschiedene Regenschirme und den halben Sack Heu (Wie gesagt, falls ich mal ein Pferd finden sollte).
Ich bin vielleicht sauer. Als ob ich nicht schon genug Ausgaben mit der Fütterung und Sterilisierung von den Straßenkatzen zu tun hätte. Jetzt kann muss ich erst mal wieder alles neu kaufen. Ich könnt mir in die Nase beißen vor Wut.
Mein erster Gedanke gilt natürlich dem, eine Anzeige aufzugeben. Aber ich verwerfe dies wieder. Anzeige gegen Unbekannt? Ich seh schon das unterdrückte Grinsen der Polizeibeamten, während ich die Geschichte erzähle. Eine Anzeige weil jemand Tierfutter geklaut hat. Hahahaaaaa, wie lustig. Als ob es nichts Wichtigeres gäbe.
Während ich so vor mich hinschimpfe, bemerke ich auch, dass der Greifarm fehlt. Das ist ein Gerät, ca. einen halben Meter lang, mit dem man kleinere Tiere aus engen Löchern, Rohren u.ä. herausholen kann. Mist. Auch das noch.
Insgeheim beglückwünsche ich mich zu der Entscheidung, die Lebendfallen nicht mehr im Auto gelassen zu haben. Seit wir in diesem Stadtviertel das Lokal haben, ziehe ich es vor, diese Geräte doch lieber in Sicherheit zu wiegen. Die kosten inzwischen auch schon über 200 €.
Was natürlich zur Folge hat, dass ich nicht mehr spontane Rettungen wie z.B. im Wald oder auf der Landstraße, durchführen kann. Hätte man mir aber auch noch die Lebendfallen geklaut, ich glaube, ich wäre vor Wut in Ohnmacht gefallen.
Und ich bin mir sicher, dass der oder die Typen, nachdem sie die Koffer geöffnet haben, alles in den nächsten Müllcontainer geworfen haben. Aber wieso mussten sie auch noch das Netz, die Box, den Greifarm, die Decken und die Futternäpfe mitnehmen? Wer um alles in der Welt will denn solche Sachen?
Nach der Katzenrunde klappere ich dann erst mal einige Müllcontainer meiner Umgebung ab. Nichts. Sicher ist ja schon inzwischen die Müllabfuhr gekommen.
Noch immer begreife ich nicht, wie jemand ein solches Auto aufbrechen kann. Von außen sieht man ja schon, was der/die Besitzer/in so tut. Schließlich geben Netz, Transportbox, Decken, Wassernäpfe und Wasserflaschen ja wohl mehr als ein Zeugnis darüber aus, was in diesem Auto noch so alles drin sein könnte. Wertsachen ganz sicher nicht.
Es handelt sich schlicht und einfach um ein Tierrettungsfahrzeug. Weiter nichts.
Caroline









