13th Oktober 2009

Aus dem Tagebuch einer Tierschützerin 13. Oktober

Eine kurze, aber lange Nacht

Ach, Martina, manchmal wünschte ich mir, ich hätte niemals mit dem Tierschutz angefangen. Ignorante Menschen schlafen besser und vor allem länger. Ganz sicher.

Ich freute mich, endlich mal zur rechten Stunde ins Bett zu kommen (21.30h), doch die Bilder der Tiere die ich am Nachmittag gesehen hatte, ließen mich nicht los. Ich war, wie Du weißt, im Zirkus, der in unserer Stadt seine Show zum Besten gab, um Fotos von den Tieren zu machen.

Das was ich sah, verfolgte mich derart, dass ich keinen Schlaf finden konnte. Dennoch klingelte der Wecker unerbittlich um 2.30 h. Naja, dann mal hoch.

Als ich mich meinem allmorgendlichen 3 m hohen Hindernis näherte, hörte ich in der entferntesten Ecke des Sportgeländes das Klagen eines jungen Kätzchens. Oh nein. Nicht schon wieder.

Einige Male musste ich schon miterleben, wie sich junge Kätzchen irgendwohin hineinbegeben haben und nicht mehr herauskamen. Oder aber einen Schacht gefallen sind. Oder was auch immer. Nachts konnte ich sie natürlich nicht finden wegen der Dunkelheit und tagsüber war es unmöglich, da ihre feinen Stimmchen vom Stadtlärm übertönt wurden.

Es zerriss mir förmlich das Herz, mitzuerleben, wie die Stimmchen Nacht für Nacht schwächer wurden bis sie dann ganz verstummten. Und diese Kätzchen wurden nur geboren, weil die sturen Bürokraten meiner Stadt mir noch immer nicht den Schlüssel zum Eingangstor geben wollen.

Hätte ich diesen, wären längst schon alle Katzen kastriert und es würden keine jungen Katzen mehr geboren werden, die dann elendiglich sterben müssen.

Ich bewegte mich auf Socken, unterhalb der dunklen Balkone in die Richtung aus der das Jammern kam. Ich sah einige große Katzen auf der Mauer. Oh weh. Wird das Kätzchen in den Lichtschacht gefallen sein, der sich hinter der Mauer befindet? Dann war es dem Tod preis gegeben.

Doch da hörte ich das Miauen rechts von mir. Puuuh, ein Glück. Ich benutzte die Taschenlampe, um besser sehen zu können, nicht vorher einen prüfenden Blick auf die Häuserwand geworfen zu haben.

Da sah ich es: ein etwa zwei bis drei Monate altes Kätzchen. Als es der Lichtstrahl traf, stob es auf und davon auf das Spielfeld hinaus. Von dort jammerte es weiter. Mist. Irgendjemand hat es hier ausgesetzt. Denn von allein wird es kaum den Eingang zu diesem Gelände gefunden haben. Allein schon, weil sich auf der einen Seite eine hohe Mauer befindet und auf der anderen ist der Zugang für ein winziges Kätzchen schon purer Zufall, dass es ihn findet.

Außerdem bleiben Katzen meist dort, wo man sie ausgesetzt hat. Sie suchen einen einigermaßen geschützten Platz und drücken sich dann platt auf den Boden und klagen ängstlich.

Da ich das Fangnetz im Auto hatte, kletterte ich nochmal zurück, schnappte es mir und begab mich wieder in diese dunkle Ecke. Ein Glück, dass heute niemand nächtens durch seine Wohnung geisterte. Ich legte etwas Dosenfutter an verschiedenen Stellen aus, worauf sich eine junge Katze meiner Kolonie näherte. Sie ist von diesem Frühjahr und betrachtete neugierig das kleine Häuflein Elend. Doch sie fauchte jedesmal, wenn dieses kleine ängstliche Bündel ihr zu nahe kam.

Das Kätzchen fraß an einer Stelle, die für mich mit dem Fangnetz unzugänglich war. Ich Esel ich. Ich hätte das Futter etwas weiter auf eine freie Fläche legen sollen. Mist. Nachdem es gefressen hatte, miaute es weiter. Aber diesmal wenigstens mit vollem Bäuchlein. Ich legte noch einmal etwas Dosenfutter aus, es kam meine Katze und das Kleine näherte sich auch und so fraßen die beiden nebeneinander. Doch das Fangnetz zu benutzen war unmöglich.

ausgesetztes-katzchen-auf-sportgelande-131009.JPG

Bei jeder Bewegung meinerseits, lief es davon. Ich bräuchte hier eine Lebendfalle. Doch ich hatte keinen Schlüssel, dank meiner sturen Bürokraten. Und mit einer 6-kg-Falle einen 3 m hohen Zaun zu erklettern… nein. Das ist mir zu riskant. Ich kann mir keine gebrochenen Knochen erlauben. Wer würde sich um all meine Tiere kümmern?

Ich müsste eine zusammenklappbare Falle kaufen. Darüber habe ich schon ein paarmal nachgedacht, aber die, die ich gesehen habe, kostet über 200 €. Wird also noch eine Weile auf der Warteliste stehen müssen.

Aber wie fange ich dieses kleine Kätzchen ein? Ich zog dann schweren Herzens von dannen, um meine Katzenrunde zu beenden. Ich hoffte, dass ich das Kätzchen morgen früh noch vorfinden würde. Und auch, dass ihm heute untertags nichts passiert ist. Denn auf diesem Sportplatz befinden sich ab 16 h Kinder aller Altersklassen. Die Angst, die es ausstehen wird müssen. Armes kleines Ding.

Unten am Stadtpark gab ich dem Grau-Weißen einen Klacks Dosenfutter am Fusse einer Straßenlaterne. Doch er blieb im Gebüsch. Seit gestern hat er Angst vor Charly und mir. Ich bleibe ja immer bei ihm stehen bis er zu Ende gefressen hat. Überall lauern starke, ältere Kater, die ihn immer vertreiben wollen. Und so halten Charly und ich Wache. Doch auch so frisst er immer voller Angst. Er schleift seinen Bauch fast auf dem Boden, so angstvoll schleicht er durch die Gegend. Ständig schaut er sich um, die Ohren sind auch ständig in Bewegung.

Als er dann mit dem Fressen fertig war, drehte ich mich um, um weiterzugehen, ich vergewisserte mich, dass er mit uns mitkam, was er auch im Begriff war zu tun. In diesem Moment sah ich, wie der King of the Road direkt hinter ihm war und ihm plötzlich mitten auf dem Rücken sprang.

Der erschrockene Grau-Weiße kreischte erschrocken, beide Kater bildeten ein Knäuel und Charly war mit einem Satz über ihnen und knurrte. Ich schrie „Charly“, denn ich hatte Angst, er würde zubeißen.

Die Katzen erschraken sich, als sie Charly über sich sahen und stoben davon. Der eine nach rechts, der andere nach links. Der Grau-Weiße war nicht mehr aufzufinden, den King sah ich unter einem Gebüsch kauern. Wütend verscheuchte ihn Richtung Sportgelände. Wenn ich dieses Kerlchen nur endlich mal erwischen würde, um ihn kastrieren zu können. Dann würde ihm diese aggressiven Flausen schon vergehen.

Ich beschleunigte meinen Schritt, denn ich war schon spät dran. Im Geiste hörte ich schon den kleinen Winzling, den wir vor ein paar Tagen gerettet haben, nach seinem Fläschchen schreien.

winzling-hat-hunger.JPG

Als ich am Brunnen das Katzengeschirr wusch, sah ich etwas weiter entfernt einen blonden Kater sitzen. Seit Tagen sehe ich schon, dass auf diesem Platz plötzlich dieser Kater aufgetaucht ist.

Ich gehe in seine Richtung, lasse etwas Futter auf einer niedrigen Mauer. Als ich mich umdrehe, sehe ich wie drei Tauben im Flug abbremsen und wieder wegfliegen. Sie wollten an das Futter, das ich ausgestreut hatte und glaubten, ich würde schon weggehen. Dem war aber nicht so.

Noch einmal ging ich in Richtung Kater, um Trockenfutter dort zulassen und wieder bremsten die Tauben im Flug ab, als ich zurückkam. Ich schmunzelte. Dann band ich Charly von dem Pfosten los und ging nochmals in Richtung Brunnen. Ich hatte vergessen, ein bisschen Wasser zu trinken. Und wieder mussten die Tauben ihren Flug abbremsen und flogen zurück auf eine Straßenlaterne. Ich musste lachen.Sie überholten mich aber dann in der Luft und sassen vor mir nieder als ich auf einem anderen Platz Futter ausstreute. Ich durfte sogar ganz in ihrer Nähe einige Fotos machen.

tauben-bei-nacht.JPG

Bevor ich zum Auto ging, näherte ich mich wieder dem Zaun und ja…. da war es noch, das laute Klagen des kleinen Kätzchens. Hoffentlich war es morgen noch da. Dann würde ich versuchen, es mit dem Fangnetz einzufangen.

Ich bin in großer Sorge um das kleine verängstigte Tier. Hoffentlich überlebt es diesen Tag. Zu gerne würde ich mal endlich einen erwischen, der ein Tier aussetzt. Sicher würde ich vorübergehend einen „Aussetzer „ haben.

Wir Tierschützer fühlen uns so hilflos, niemand, nicht einmal das Tierschutzgesetz kann unsere Tiere vor diesen Menschen schützen. Man sieht’s ja. Der Katzenquäler von Talavera de la Reina wurde freigesprochen. Ein Freibrief für alle Tierquäler. Hier in Spanien kann man Tiere quälen ohne befürchten zu müssen, dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden. So wie das in anderen, zivilisierten Ländern der Fall wäre.

Ich kam dann an der Straßenecke von meinen beiden Wildlingen an, die schon wieder Vertrauen zu mir gefasst hatten. Sogar der graue Kater fraß schon neben Charly und mir. Demnächst werde ich ihn mit einer Lebendfallen einfangen können.

grauer-kater.jpg

Zuhause angekommen wartete schon der Winzling auf sein Milchfläschchen, das er mit lautstarker Stimme verlangte. Tja, mein Mützchen voll Schlaf musste warten. Danach konnte ich mich dann endlich etwas auf dem Sofa hinlegen, doch nach zwei Stunden hatte der Winzling schon wieder Hunger.

Deswegen, manchmal wünschte ich mir, eine dieser Leute zu sein, die so glücklich vor sich hinleben, sich für nichts engagieren, die sich für nichts interessieren oder aber auch einfach nichts wissen wollen. Die schlafen sicher gut und mindestens 8 Std. pro Nacht. Ayyyyyyy Ich bin so müde.

Dienstag, Oktober 13th, 2009, 22:32 | Allgemein | RSS 2.0 | kommentieren | Trackback

5 Kommentare zu “Aus dem Tagebuch einer Tierschützerin 13. Oktober”

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  1. 1 13. Oktober 2009, Heike Schwengers schreibt:

    Danke!!!

  2. 2 14. Oktober 2009, Kevin&Christina schreibt:

    Hallo oh ich hoffe mit dir das du das kleien Kätzchen noch fangen kannst und ihm nicht passiert ist.Armes Mäuschen halt durch.lieben Gruß

  3. 3 14. Oktober 2009, Kevin schreibt:

    Hallo, ich danke Ihnen dass Sie sich für so für Tiere einsetzten,das ist ganz toll! Bitte nie den Mut verlieren! Spanien ist wirklich ein abschreckendes Beispiel dafür das Tierquäler ungeschoren davon kommen, weil in Spanien die Tierquälerei zur Tradition gehört (Stierkämpfe usw).
    Aber das sollte nicht davon abschrecken wenn jemand hier in Deutschland Tierquälerei beobachtet, das dann anzuzeigen. Denn unsere deutschen Gerichte sind in manchen Fällen sehr streng und bestrafen Tierquäler, also nie den Mut verlieren es kann durchaus sein dass der Täter eine Strafe beommt! In Berlin kam ein Mann 7 Monate für Katzenmord ins Gefängnis.

    http://www.katzenhilfe-westerwald.de/cms_akt/index.php?page=495009671&f=1&i=1547479348&s=495009671

    Viele Grüße

  4. 4 14. Oktober 2009, Ma Isabel Meyerhans Moreno schreibt:

    Ja, die Gleichgültigen schlafen bestens. Alles ist ihnen egal; sie sind nur daran interesseirt, dass es ihnen gut geht. Aber genau diese dummen Leute sind Schuld daran, dass es so viel Leid, Ungerechtigkeit und Gewalt auf der Welt gibt. Doch irgend einmal könnten auch sie Opfer der Gewalt werden, die ihnen jetzt so schnurzegal ist.

  5. 5 15. Oktober 2009, conny schreibt:

    Liebes Carolinchen.Ich danke Dir für Dein Tagebuch daß Du mir immer wieder schickst!So weiß ich wenigstens was Du so treibst..drück Dir feste die Daumen,das alles klappt und ich Dir keine Feile schicken muß.Pass auf Dich auf hörst Du!!!Denk an Dich und drück Dich.Deine alte Freundin Conny

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