21st Februar 2011

Darf ich vorstellen?….. Carlos Rodríguez

Tierarzt, Radio- und Fernsehmoderator, Buchautor, Sänger, Gitarrist, Ehemann und Vater, aber vor allem …. Tierschutzaktivist. Und ein sehr aufmüpfiger noch dazu.

Bereits vor einigen Monaten wurde der Artikel “Wie Hund und Katz”, Carlos Rodríguez, der Entertainer der den Tieren eine Stimme gibt, veröffentlicht.

Wir Tierschützer in Spanien können auf den wortgewaltigsten und bekanntesten aller Tierärzte zählen: Carlos Rodríguez. Heute möchte ich ihn einmal mehr auf privater Ebene vorstellen. Ein Blick hinter die, zugegebenermaßen etwas großzügigen Kulissen dieses Herrn. Ja, auch er leidet wie viele unter dem Wohlstand unserer Gesellschaft: Die Wespentaille aus den kargen Studentenjahren der 80iger hat sich so im Laufe der Jahrzehnte in eine stattliche Hummeltaille eines etablierten Tierarztes mit eigener Klinik verwandelt, trotz verschiedenen Diätversuchen und mutigen Anläufen, endlich wieder regelmäßig Sport zu treiben. In seiner Jugend spielte er Rugby, wie er mir einmal mit wehmütigem Blick anvertraute, wobei sein seufzender Blick auf die abdominale Rundung und seine wohl etwas schmaler gewordenen Oberarme fiel. Bei seinen kräftigen und damals noch sehr muskulösen 1,90 m hat sicher jeder von den Gegenspielern ihm den Ball vor Angst freiwillig überlassen, wenn er da gleich einer Lokomotive angerast kam um diesen zu erobern. Jaja, aber wenn man nicht aufpasst, entgleitet einem der Körper von selbst auf umfangreichere Maße so im Laufe der Jahre.


Copyright Marisa W. Ringer

In den 90igern nahm er durch Zufall an einer Rate-Show im Stil Dalli-Dalli teil, man wurde auf seine natürliche Fähigkeit, mit seinem burschikosen Wesen und seiner Schlagfertigkeit Menschen für sich einzunehmen, aufmerksam und landete er dann alsbald als Berater in Shows und Sendungen, die mit Tieren zu tun hatten. So entwickelte sich das langsam weiter, bis er eigene Programme sowohl im Fernsehen als auch im Radio moderierte. Aber es ist das Radio, das es ihm angetan hat, es ist wie eine Sucht, gibt er zu. Er braucht den direkten Draht zu den Zuhörern, den ihm nur das Radio gibt. Es besteht aus Einfühlungsvermögen, Sensibilität, man fühlt die Menschen, schwärmt er. Aus allen Ecken Spaniens erhält er Anrufe und Mails ins Studio, in denen besorgte Tierhalter ihn um Rat fragen, was ihn aber nicht davon abhält, jemandem den Kopf zu waschen, wenn er mitbekommt, dass dieser sein Tier nicht verantwortungsvoll hält. Doch die Kritik geht immer einher mit viel Humor und so nimmt es ihm keiner übel, wenn er einen öffentlichen Rüffel von Carlos Rodríguez bekommt.


Aber auch für uns Tierschützer ist er eine wichtige Anlaufstelle, so hat er bei der Aktion gegen den “toro de la vega”, ins Leben gerufen von unseren Tierschutzkollegen Julio Ortega und Angel Padilla, entscheidend zum Erfolg derselben beigetragen, indem er seine Beziehungen in die Welt der Stars und Sternchen hat spielen lassen, die dann mit den insgesamt 400 Unterschriften das Manifest unterstützten. Dies hat er in nur wenigen Tagen erreicht, ein Zeichen dafür, wie sehr man ihn schätzt und was für ein Talent er hat, Menschen hinter sich zu vereinigen. Leider hat es nicht viel gebracht, auch der letztjährige Stier musste unter grausamen Lanzen sein Leben lassen. Doch wir geben nicht auf.

Aber es gibt auch den stillen Carlos, den der schönen Künste, auch wenn das sein deftiges Vokabular und seine etwas grobschlächtige Figur wirklich nicht vermuten lassen. Er liebt klassische Musik, Poesie, das Malen und das Schnitzen von Holz.

Als kleiner Junge wollte er eigentlich Pfarrer werden, ein Glück, dass er sich dann doch anders entschloss. Glück für die Tiere und für die vielen Damen, die ihm sprichwörtlich zu Füßen liegen, denn der Schlag, den er bei Frauen hat, wurde ihm mit in die Wiege gelegt. Aber es ist anzunehmen, dass Carlos auch im Priesterrock eine gute Figur abgegeben hätte. Vor allem könnte er unter dem weiten Priesterrock seine Wohlstandsrundungen besser verstecken was in Jeans und T-Shirt nicht so recht gelingen mag. Im Laufe der Jahre hat er sicher schon viele Frauenherzen gebrochen, obwohl er seit den 80igern fest in den Händen seiner Angetrauten ist und seit 8 Jahren auch in denen seiner kleinen quirligen Tochter, die sein Temperament geerbt hat. Sehr zum Leidwesen desselben, da die kleine Rebellin jeden Tag aufs Neue die väterliche Autorität in Frage stellt, wie er mir gegenüber einmal klagte.

Seine schriftstellerische Ader kann man in den schon mittlerweile 14 Büchern, in denen er teils ernst, dann wieder mit seinem eigenen typischen Humor über Tiere und verantwortungsvolle Tierhaltung schreibt, bewundern.


copyright P. Cosano-Anaya

Aber es ist der Musik, der er jede freie Minute widmet. Mit seiner Gruppe „El Bazar“ spielt er gängige Songs der letzten Jahrzehnte, angefangen in den 60igern bis hin zur heutigen Zeit. Das Singen stellt für ihn ein Ausgleich zum hektischen und traurigen Alltag dar, der ihm wie uns allen, die wir uns dem Tierschutz widmen, das Herz und die Seele zerfrisst.

Video: La Banda del Bazar
Video: El Bazar Aperitoche – Ojos de Gata

Er ist Freund seiner Freunde und liebt es, sich singend mit ihnen zu vergnügen wie hier in einer einer Radiosendung am letzten Weihnachtsfest, in der er mit Kollegen vom Sportstudio typisch spanische Weihnachtslieder sang, an die Situation angepasst natürlich. Die heilige Inhalt derselben wurde durch flotte Sprüche aus der Welt des Sports ersetzt, Video: COPLILLAS DE NAVIDAD EN RADIOESTADIO (19/12/2010)

Auch gibt er gern den Kasper ab, um andere zu unterhalten, sei es in seiner Tierklinik, im Radio oder Fernsehen oder einfach bei einem gemütlichen Zusammensein mit Familie und/oder Freunden Zuhause oder in den guten Restaurants und Pubs, die in Madrid überall zu finden sind. Selten sieht man ihn ohne seine gute Laune und das schelmische Zwinkern in den Augen.



Während seiner Studentenzeit spielte er in einer Tuna , einer historischen Studentenkapelle, der Veterinärfakultät der Universität Complutense von Madrid, mit der auch Länder wie Schweiz, Österreich und Deutschland besuchte. Der musikalische Fächer ist sehr breit, meist sind es spanische Volks- und Liebeslieder , die von den jungen Burschen zum Besten gegeben werden. Auf der Suche nach Fotos aus der Vergangenheit von Carlos während seiner Studienzeit in der Tuna, lernte ich einen ehemaligen Universitätslehrer von ihm kennen. Auf meine Frage hin, ob denn Carlos ein guter Student gewesen wäre, meinte er schmunzelnd: „Nun ja, die von der Tuna …… das muss man eben als eine Extra-Ausbildung ansehen“. Verständlicherweise hatten die jungen Studenten nach dem nächtlichen durch-die-Straßen-ziehen , wobei sie unter Balkonen von jungen Damen sangen, in Restaurants oder auch auf Hochzeiten um so mit den Trinkgeldern ihr schmales Studentenbudget aufzubessern, nicht mehr viel Zeit und Energie um Anatomie zu pauken, wobei noch zu bemerken wäre, dass natürlich das Flirten mit den jungen Damen auch weitaus aufregender ist als in Lehrbüchern zu versinken. Nicht umsonst nennt sie der Volksmund auch die „Kavaliere der Nacht“. Doch dieser nette Herr ist sehr stolz auf das, was sein singender Student so alles auf die Beine stellt und dass aus ihm ein Prachtkerl von Tierarzt geworden ist. Leider konnte ich bis dato weder Fotos noch Videos aus dieser Zeit auftreiben. Daher bleibt den werten Lesern leider nichts anderes übrig, als sich unseren Carlos in seiner feschen Tuna-Tracht im Geiste vorzustellen.

Sprüche wie “Wenn sie Shows mit Tieren wollen, dann sollen sie gefälligst die Bürgermeister dafür nehmen“ oder „In Spanien gibt es kein nationales Tierschutzgesetz, weil keine Partei die „Eier“ hat, dies in einem Land, in dem es Stierkampf gibt, durchzusetzen“. Ja, so kennt man ihn, den Carlos, den aufmüpfigsten Tierarzt aller spanischen Tierärzte. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, Bürokraten oder Politikern ihre Gleichgültigkeit gegenüber des Tierschutzes vorzuhalten. Auch der spanische König mit seinen Vorlieben für Stierkampf und Großwildjagd bekommt seinen Teil von Carlos Geringschätzung mit entsprechendem Vokabular ab. Andere setzt das Benutzen von Kraftausdrücken herab, doch bei ihm klingen sie anders. Aufgrund seiner Kultur und Bildung kann er es sich erlauben, solche Schimpfwörter zu benutzen, denn dann weiß man, was die Uhr geschlagen hat. Man duckt sich und schaut unter der Wortgewalt betreten zu Boden und wagt es nicht zu widersprechen. Seine Widersacher redet er sprichwörtlich in Grund und Boden oder an die Wand, je nachdem, dank seiner hervorragenden Dialektik, die man u.a. auf der Anti-Stierkampf-Demonstration in Madrid bewundern konnte.


Für Royal Canin, dem größten Sponsor seiner Radiosendung, stellt er ein wichtiges Zugpferd dar, denn Carlos führt mit ihnen zusammen Kampagnen durch wie u.a. „su seguridad parte de ti“ (seine Sicherheit hängt von dir ab)

Seit seiner Kindheit hat er sich dem Tierschutz verschrieben, ausgelöst durch die vielen an Tieren begangenen Entsetzlichkeiten, die er im ländlichen heimatlichen Galizien mitansehen musste. Diese Bilder waren und sind sein Motor, der ihn antreibt, sich immer wieder neue Aktionen einfallen zu lassen, um seine Landsleute aufzurütteln. So wie z.B. „Yo también rompo el muro contra el maltrato animal“ (auch ich reisse die Mauer der Tierquälerei ein). In diesem Video hat er sehr berühmte spanisch sprechende Sänger und Schauspieler unter einen Hut gebracht die auch international bekannt sind so wie z.B. Alejandro Sanz oder Chayanne. An solchen Aktionen sieht man, wie weit die Kontakte von Carlos in die bunte und vielfältige Welt der Medien reicht.

Er hat auch das Netzwerk  www.mascoteros.com in  Onda Cero, „seinem“ Radio aufgebaut, in dem man tagtäglich die neuesten Nachrichten aus und über die Welt der Tiere, des Tierschutzes und der Tierquälerei nachlesen kann und wo er seinem Ärger über die Unfähigkeit der spanischen Politiker und Bürokraten hinsichtlich Tierschutz laut und deftig Luft macht und Tierquäler ungeschönt an den Pranger stellt. In Arbeit ist noch Mascoteros.TV, der alsbald anlaufen soll.

Inzwischen baut er auch ein Netz aus solidarischen Tierärzten auf, die sich zum großen Teil kostenlos mittellosen Tierheimen zur Verfügung stellen und bitter nötige Operationen an kranken Tieren durchzuführen, für die die Betreuer dieser Tiere keine finanziellen Möglichkeiten haben. Es ist das Netz der „masocteros solidarios“, das man in Facebook finden kann. Die entsprechende Webseite ist in Arbeit. Wer möchte kann unseren forschen Carlos in Facebook finden. Wer kein spanisch beherrscht, kann sich ja die vielen Fotos und Videos von ihm ansehen. Ein netter Zeitvertreib zu dem man nicht unbedingt die Landessprache beherrschen muss.

Da für Carlos aber auch die Menschen eine Herzensangelegenheit darstellen, ließ er sich im letzten Jahr für die NGO „alas solidarias“ Solidarische Flügel) für einen Kalender mit der bekannten spanischen Pop-Sängerin Roser (sprich: Rusché)  in etwas pikanten Posen ablichten, um so den Verkauf zu heben. Auf diesem Foto ist er wenigstens noch mit Hosen zu sehen, doch er erzählte mir lachend, dass er während der Fotosession zeitweilig nur mit Sonnenbrille und Uhr bekleidet mitten auf dem Flughafengelände stand. Es gelang ihm nur mit äußerster Konzentration zu verhindern, dass sich seine entblößte Männlichkeit selbstständig machte, als sich Roser, die die Sinnlichkeit selbst zu sein scheint, auf den Fotos kokett vor ihn stellte. Jeder Mann hätte da wohl so seine Probleme mit Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Körper und Geist gehabt.


copyright Carolina Roca

Gerne stellt er sich aber auch zusammen mit anderen bekannten Persönlichkeiten für den alljährlichen Benefizkalender von Baas Galgo zur Verfügung, dessen Erlös der Rettung der gequälten spanischen Windhunde zugute kommt. Hier auf dem Foto mit Galgo „Carlitos“ von Sandra Baas, die ihren Schützling nach Carlos benannte.


copyright Javier Galue

Carlos und ich arbeiten zusammen mit anderen Tierschutzkollegen an einigen wichtigen Projekten, wie z.B. die Einführung von mindestens zwei rollenden Tierkliniken aus Ohio/USA, um mit diesen das Leid der spanischen Straßentiere zu lindern, mittellosen Tierheimen unter die Arme zu greifen und im gleichen Zug Aufklärungsarbeit bürgernah über verantwortungsvolle Tierhaltung zu leisten.

Auch interessiert es uns brennend eine öffentliche Meinungsumfrage zu Tierschutz, Tierhaltung, Stierfeste und Stierkampf von einem unabhängigen spanischen Institut für Markt- und Meinungsforschung durchführen zu lassen, die in unserer Hand zur geladenen Waffe gegen die Politiker werden wird, da diese die steigende Besorgnis der Bürger bzgl.. Tierschutz einfach ignorieren und vor allem trotz Wahlversprechen kein nationales Tierschutzgesetz erlassen.

Mit diesem Artikel hoffe ich, den Lesern die Person von Carlos Rodríguez näher gebracht zu haben. Nähe bringt Vertrauen. Und auf dieses Vertrauen hoffen wir, wenn wir demnächst um Spenden für die Straßentiere Spaniens und unsere „wilden“ Stiere bitten müssen. Obwohl wir zwar hin und wieder im Lotto spielen, ist bisher noch kein Geldsegen auf uns herniedergegangen, daher hängen die Tiere und wir von dem guten Willen und der Zusammenarbeit unserer europäischen Freunde ab, die uns hoffentlich finanziell ein bisschen unter die Arme greifen werden, damit wir das Leid der spanischen Straßentiere lindern und gar im Laufe der Jahre sogar der Vergangenheit angehören lassen können. Und natürlich die Stierkämpfe und die Stierfeste, bei denen Stiere, Kühe und Kälber ganz traditionell und zur Freude einer sadistischen Minderheit öffentlich zu Tode gequält werden.

Hier noch eine kleine ”Durchleuchtung” von unserem forschen Tierarzt:

Sein Wort: Freiheit
Seine Manie: Ordnung
Sein Erfolg: Jeden Tag aufzustehen und zur Arbeit zu gehen
Sein Lehrmeister: Sein Vater
Er bewundert: die guten Menschen
Er verabscheut: Mörder
Er vergisst: ganz wenige Dinge
Er erinnert sich: an seine Freunde
Sein Alptraum: sich wieder examinieren zu müssen (Anmerkung der Autorin: das kommt davon, wenn man sich nächtens singend auf den Straßen herumtreibt, statt für die Prüfungen zu pauken)
Seine Tugend: Es steht ihm nicht zu, über Tugenden zu sprechen
Sein Laster: Unaussprechbar

Caroline Waggershauser,
ein Dankeschön an  Martina Szyszka für die Veröffentlichung auf ihrer Webseite

Montag, Februar 21st, 2011, 03:14 | Allgemein | kommentieren | Trackback |

4 Kommentare zu “Darf ich vorstellen?….. Carlos Rodríguez”

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  1. 1 21. Februar 2011, petra schreibt:

    Was für ein toller MANN!!!!!!!
    Sensationell, wenn sich Tierärtze zusammen tun, um den verletzten Fellnasen zu helfen.
    Sensationell, dass es Tierärzte im eigenen Land sind.
    Jedes Land muss sich unbedingt selbst helfen.

    Klasse auch, dass er sich einen Ausgleich sucht (in seinem Fall die Musik) und die Lebensfreude nicht verliert.
    Denn Tierschützer sind keine griesgrämigen Öko-Fritzen!!!!
    Ein wunderbares Talent, dieser Mann…..dient zur Nachahmung.
    Danke für diesen Bericht. Das tut mal richtig gut!!! danke

  2. 2 21. Februar 2011, Jaqueline schreibt:

    BRAVO!!
    DANKE! Weiter so.

    Ein DANKESCHÖN auch an ALLE , die nicht berühmmt sind und vor Ort und im Ausland helfen und Unglaubliches für die Tiere leisten.

  3. 3 21. Februar 2011, lisa schreibt:

    Solche Männer brauchen wir. Überall. Vielen Dank

  4. 4 21. Februar 2011, Isabel schreibt:

    Gott sei Dank gibt es diesen Carlos. Ein Mann der nicht nur Tierarzt ist sondern sich ernsthaft auch gegen Tierquälereien einsetzt. Ich kann nur wünschen, dass es mehr MÄnner von dieser Sorte gibt.

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