12th November 2012

Leser-Kommentar zu: Das wahre Gesicht des Jésus Salamanca / La cara oculta de Jésus Salamanca

Der Kommentar von Caroline Waggershauser bezieht sich zu dem im Jahre 2009 veröffentlichen Artikel:

Das wahre Gesicht des Jésus Salamanca / La cara oculta de Jésus Salamanca

Verehrter Victor

Da ich den Link zu Ihrem Kommentar eben erst erhalten habe, konnte ich Ihnen nicht früher antworten. Etwas, was ich eigentlich nicht tun wollte, denn durch Ihre Kommentare blickt Ihre Grundeinstellung und auf diese einzugehen, ist reinste Zeitverschwendung. Trotzdem kann ich es mir nicht verkneifen, Ihnen etwas den Kopf zu waschen.

Was erlauben Sie sich eigentlich, mit dem Finger auf andere zu zeigen? Glauben Sie wirklich, Sie könnten mir oder jedem anderen Deutschen oder auch Österreicher den Mund verbieten, wenn es um Themen anderer Länder geht?

Ich darf Ihnen versichern, dass ich die dt. Geschichte kritisch aufgearbeitet und akzeptiert habe. Und ich bin sicher, dass ich über meine dt. Vergangenheit mehr weiss als Sie und viele andere, die als Gegenargumente solche dummen Sprüche über die „fucking nazis“ von sich geben. Und Sie dürfen davon ausgehen, dass ich jegliche Gewalt und Nötigung aller Lebewesen gegenüber zutiefst verabscheue und sofern ich etwas dagegen tun kann, meine ganze Energie und Zeit dafür verwenden werde, dies zu verhindern. So wie z.B. gegen beschämenden Stierkampf und den Stierfesten in Ihrem Land, die eine Schande für die Menschheit darstellen.

In Spanien gibt es ca. 570 Stierkampfarenen und dazu kommt, dass in unzähligen Gemeinden in ganz Spanien Kälber, Kühe und Stiere während Volksfesten aufs Grausamste zu Tode gequält werden. Die Zahl der erniedrigten, gefolterten und ermordeten Mitglieder der Familie des toro bravo dürfte inzwischen schon ins Unendliche steigen.

Von daher, wenn Sie schreiben „Spanien? Tordesillas“ Usted se queda corto. Muy corto. Nur Tordesillas? Von wegen. Da haben wir Tordesillas, Medinaceli, Coria, Denia, Algemesí etc. etc. etc. Die spanische Erde ist rot vor von Stieren vergossenem Blut. Sie schreiben, dass es in Spanien „ein paar Tierquäler“ gibt. Das ist ja wohl auch stark untertrieben. Sie sollten sich einmal näher mit dem Thema Tierschutz und Tierquälerei in Ihrem Land befassen. Tiere sind in Spanien Freiwild, an dem jeder Gestörter seinen niedrigen Trieben freien Lauf lassen kann.

Und Sie wagen zu bemerken: “Deutschland? Auschwitz, Bergen Belsen ….“ Bevor Sie andere kritisieren, sollten Sie sich vielleicht erst einmal in Ihrer eigenen Geschichte umsehen, denn zu Tordesillas, Medinaceli, Coria usw. kommt noch dies: Los campos de conzentración de Los Merinales, La Corchuela, de El Palmar de Troya, de San Marcos de León, de Mirando de Ebro, de Castuera, de Formentera de Gran Canaria und so weiter und so fort. Über 180 Konzentrationslager auf spanischem Boden, dazu gedacht, dem spanischen Volk auf immer und ewig das Rückgrat zu brechen, damit das Franco-Regime unbehelligt schalten und walten konnte.

Laut Recherchen sind über 250.000 Inhaftierte dort zu Tode gekommen. Wie? Das überlasse ich Ihrer Phantasie. Eine Bemerkung dazu: Spanien orientierte sich nach den dt. Konzentrationslagern. Da Sie ja anscheinend so viel über die dt. Geschichte wissen, wird Ihnen bekannt sein, was in diesen geschah, nicht wahr?

Und falls Sie glauben, dass die Konzentrationslager eine dt. Erfindung sind, muss ich Sie entäuschen. Es handelt sich um ein britisches Erbe der Burenkriege.

Nach dem sp. Bürgerkrieg, die wohl schlimmste Art von Krieg, der Bruderkrieg, wurden auf spanischem Boden über 180 Konzentrationslager geschaffen, die bis 1947 in Funktion waren. Doch damit nicht genug. Unter der Herrschaft Francos sollen mehr als 200.000 Personen in den faschistischen Gefängnissen umgebracht worden sein. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher sein. Dazu kommen über eine Million Inhaftierte aus politischen Gründen. Soll ich Ihnen beschreiben, wie die Tagesordnung in diesen entsetzlichen Orten aussah? Und diese Gefängnisse waren bis zum Tod des Diktadors überfüllt. Und das zu einer Zeit, in der der Rest Europas längst dem Fortschritt entgegenging.

Allein in Madrid gab es anfangs pro Tag bis zu 500 Exekutionen durch das berühmt-berüchtigte „garrote vil“. Wie viele Menschen wurden wohl im ganzen Land so derart entsetzlich von den Faschisten ermordet? Und all die unzähligen, die im Strassengraben landeten, in Massengräbern, vorher selbst ausgehoben, selbstverständlich. Oder all die die in der Haustür ihrer Wohnung oder Hauses ermordert wurden? Wie hoch dürfte die Zahl dieser hinterhältig gemeuchelten Menschen wohl sein?

Heute verbleiben noch immer stumme Zeugen eines der grössten Massaker, das Spanien je gesehen hat. An Wegesrändern, auf den Feldern, in Strassengräben. Die Gräber von Unschuldigen. Frauen, Männer, Greise, Kinder. Ein Völkermord am eigenen Volk.
Na? Immer noch stolz auf die Vergangenheit Ihres Landes? Von wegen nur „Tordesillas“. Wir Deutschen und Österreicher haben die Geschichte wenigstens aufgearbeitet und stehen zu ihr. Nicht umsonst erhält Israel jährlich Beträge in Millionenhöhe von den Deutschen als Wiedergutmachung.

In Spanien hinkt allerdings das Akzeptieren und Annehmen dieser – seiner – grausamen Tatsachen sehr hinterher. Mehr noch, kommt endlich mal jemand wie der unbestechliche und kämpferische Richter Baltasar Garzón, der die Verbrechen, die unter dem Faschismus begangen wurden, aufklären und den noch Überlebenden und deren Nachkommen Wiedergutmachung zukommen lassen will, wird er flugs von den obersten spanischen Richtern in die Wüste geschickt. Der Richter Baltasar Garzón wollte den Verschwundenen endlich eine Stimme geben, ihre Mörder entlarven. Doch er stiess auf die unsichtbaren heutigen Faschisten im System und auf den kollektiven Gedächtnisschwund, der Spanien seit dieser Zeit heimsucht. Und er wurde seines Amtes enthoben. Ganz einfach so, weil er den Wölfen im Schafspelz, die in Spanien wichtige Stellungen innehalten, zu unbequem geworden war.

Das gesamte Führung der sp. Justiz ist von direkten Erben des Francoregimes durchsetzt, auch die Regierung, die PP. Etwas, was in Deutschland und Österreich undenkbar wäre. Ein Nachfolger des Naziregimes, ein Nazi-Richter, ein Nazi-Minister in der Regierung oder am Obersten Gerichtshof? Der König ist Francos Erbe und des Franco-Regimes, die PP wurde von einem Minister unter Franco gegründet, der sp. Oberste Gerichtshof ist voll von Richtern jener Zeiten.

Nach dem Tode Francos ging Spanien stillschweigend in eine parlamentarische Monarchie über, kein Wort über die entsetzlichen Verbrechen, die unter der Diktatur Francos geschehen waren. Keine Entschuldigung, keine Wiedergutmachung. Die Opfer und deren Familien sahen sich allein gelassen. Verraten und verkauft. Bis heute. Deutschland und Österreich haben wenigstens das „mea culpa“ angestimmt, etwas, was Sie von Ihrem Land nicht sagen können. Nein, wirklich nicht. Ihre Kriegsverbrechen wurden und werden weiterhin vertuscht.

Allein schon die Tatsache, dass ein Minister Francos bis vor wenigen Jahren noch jahrzehntelang als Ministerpräsident Galiziens tätig sein konnte, spricht Bände. Und natürlich wurde auch er nie zur Rede gestellt, für all das, was er unter Franco verbrochen hatte. Fraga starb im hohen Alter ohne jemals zur Verantwortung gezogen worden zu sein.

Oder dass Gemeindepolitiker der PP es wagen, die Flagge des Franco-Regimes zu hissen. In Deutschland oder Österreich wäre es undenkbar, die Hakenkreuzfahne zu hissen. Und schon gar nicht von seiten der öffentlichen Verwaltung. Strafanzeige würde erstattet werden, vielleicht sogar Gefängnisstrafe. So ist ja auch z.B. das, was man unter „Hitlergruss“ kennt, verboten. Diese Geste ist seit den alten Cäsaren Roms als Diktarorengruss bekannt, dem sich auch Franco und sein Gefolge bediente. Erstaunlich ist es aber schon, dass man hin und wieder in Spanien, vor allem unter den Besuchern von Stierkämpfen, diesen Gruss entdecken kann.

Wussten Sie, dass die Fundación Francisco Franco aus Steuergeldern finanziert wird? In Deutschland oder Österreich wäre das ein Ding der Unmöglichkeit. Eine Hitler-Stiftung von öffentlichen Geldern finanziert. Oder eine Mussolini-Stiftung in Italien. Das wäre barer Hohn den Opfern dieser Regime gegenüber. Aber in Spanien wird den Opfern der Diktatur keinerlei Respekt gezollt.

Doch ist auch die Judenverfolgung keine dt. Erfindung. Sehen Sie sich doch auch mal diesbezüglich in Ihrer Heimat um. Tipp: 14. und 15. Jahrhundert. Wie viele Juden kamen in spanischen Kerkern und in spanischen Folterkammern zu Tode? Wie viele Juden wurden des Landes verwiesen? Zu dieser Zeit begann auch gerade die berüchtigte sp. Inquisition unter Torquemado, unter der auch die Juden schrecklich zu leiden hatten. Und auch die, die sich zum Christentum bekehrt hatten. Vor allem, um dem Kerker, der Folter und dem Scheiterhaufen zu entkommen. Hat leider nicht viel genützt. Um die 6.000 sollen es gewesen.

Was sagt Ihnen das „Statut zur Säuberung des Blutes“? Klingt sehr deutsch, sehr nach Nazis, nicht wahr? Bin sicher vor Ihrem geistigen Auge taucht die Gestapo auf, die sich über unschuldige Juden hermacht, um die blonden und gesunden Arier vor diesem verseuchten Blut zu schützen.

Aber weit gefehlt. Dieser Ausdruck stammt aus dem Jahre 1449 und wurde in Toledo „entworfen“. Die zum christlichen Glauben übergegangenen Juden gefielen vieler Orten den „echten“ katholischen Christen nicht, was oft Anlass zu Kleinkriegen und Hinterhältigkeiten seitens der spanischen Obrigkeit war. Nicht selten endeten solche Scharmützel mit dem Tod des jeweiligen Juden und seiner Familie.

Auch würde ich Ihnen nahelegen, sich einmal mit der Geschichte dieser „fucking nazis“ zu beschäftigen, bevor Sie mit solchen Ausdrücken um sich werfen und andere beleidigen. Ist in Deutschland und Österreich übrigens Grund zu einer Anzeige.

Nachstehend finden Sie einige Links zu Büchern oder Texten, die Ihnen diesen Teil der Geschichte näherbringt. Vorausgesetzt, Sie möchten die Wahrheit über die „fucking nazis“ wissen. Und ansonsten: Erst mal vor der eigenen Haustüre kehren und nicht nur einfach mit dem Finger auf andere zeigen. Und wer selbst im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Oder auf spanisch: Ver la paja en el ojo ajeno pero no ver la viga en el ojo propio. Aber auch: No juzgues para que no seas juzgado.

Caroline Waggershauser

http://www.zeitenschrift.com/magazin/47-hitler.ihtml
http://www.erziehungskunst.de/artikel/medien/wall-street-und-der-aufstieg-hitlers/
http://www.us-politik.ch/teil2.htm
http://www.eaec-de.org/Deutsche_Juden_Naziregime.html
http://www.wahrheitssuche.org/hitler.html
http://cazadebunkers.wordpress.com/2012/01/17/por-que-esta-prohibido-negar-el-holocausto-en-30-paises-con-duras-penas-de-carcel/

Montag, November 12th, 2012, 19:13 | Allgemein | kommentieren | Trackback

3 Kommentare zu “Leser-Kommentar zu: Das wahre Gesicht des Jésus Salamanca / La cara oculta de Jésus Salamanca”

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  1. 1 13. November 2012, Ingrid schreibt:

    Bravo Caroline,

    das war richtig gut !!!

  2. 2 13. November 2012, Amor schreibt:

    @Victor, mein Patriot,

    da du gerade auf politischer Inventur befindest, möchte ich dir ein bisschen helfen.
    Ich bin sowieso als Entwicklungshilfe Spaniens zuständig.

    Mal sehen was die Zahlen dazu sagen:

    Die Spanische Inquisition wurde am 1. November 1478 eingerichtet.
    Am 15. Juli 1834 wurde sie unter Isabella II. abgeschafft. = 365 Jahre
    Hitler war von 1933 bis 1945 an der Macht = 12 bis 13 Jahre.

    In Vergleich zu den 356 Jahren Spanische Inquisition, 320 Jahre Conquista y Colonización, und 36 Jahre Franco-Diktatur war die 12 jährige Nazi-Diktatur in Deutschland eine kurze Episode der Weltgeschichte.
    Brutal und mörderisch, gebe ich zu, aber statistisch gesehen eher untypisch für das deutsche Volk.
    Ich hätte euch Unrecht getan, wenn ich die paar Millionen Ureinwohnern Amerikas nicht als Schlacht-Guthaben auf eurem Konto geschrieben hätte. Da die Spanier immer behauptet haben, dass die Indianer keine Seele haben und nicht zur menschlichen Spezies gehören, haben sie da auch Henker gespielt.
    Die Eroberung und Kolonialisierung von Lateinamerika dauerte von 1492 bis 1810-15 = popelige 318 Jahre.
    Weil dieses Land nachweisbar nach Blut und Tod stinkt, muss ich der “leyenda negra“ zustimmen, „die Spanier seien an sich ein fanatisches, brutales, rücksichtsloses, menschenverachtendes, menschenmordendes Volk“.
    Und wir sind noch nicht bei den Tieren, ich meine die Mordinventur im Tiersektor.
    Werde ich auch nicht machen, da sind die Jesusknaben der Salamanca viel besser informiert.
    Sie nennen das zwar nicht Mordinventur, sondern Alltagsgeschäft von Kirche und Lande, aber wir werden jetzt nicht über Begriffe streiten!!!

    „España es distinta“ sagte der Franco.
    Etwas muss der Führer gewusst haben, nicht wahr, Victor?
    Amor

  3. 3 30. September 2016, Gerlinde schreibt:

    Hochinteressant,die oben dokumentierte Menschen-und Tiermordinventur dieses fanatischen, brutalen, rücksichtslosen, menschenmordenden und tierfolternden Volkes“ >

    während andere Völker zumindest (Schuld)-BEWUSSTSEIN !!!!
    zeigen, konnte man unter den spanischen Sadisten bisher nur vergeblich
    danach suchen.

    Aber die junge Generation der gebildeten Spanier wird sich diese Mordgesellen
    und ihr bestialisches Treiben nicht mehr gefallen lassen! Bildung geht vor Dummheit, Empathie vor Roheit, Menschlichkeit vor Unmesnchlichkeit! Die nachfolgenden Generationen werden die alten, bösartigen, sadistischen Barbaren auf die Müllhaöde der Geschichte werfen.
    Von dort aus mögen sie direkt in den Hades fahren und auf ewig im Höllenfeuer ihre grauenhaften Sünden gegen die Natur, die Tiere und die Menschlichkeit abbüßen!

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