14th Juni 2013

Der Stierkampf aus Sicht eines Veterinärs

 

Armando Frade und Vasco Reis,  AEZA Aljezur Umwelt- und Tierschutzorganisation,   Marta Correia  PRAVI Faro Tierschutzorganisation

Menschen und Tiere sind Wesen, die mit einem mehr oder weniger hoch entwickelten Nervensystem ausgestattet sind, das es ihnen erlaubt, die Geschehnisse in ihrer Umgebung wahrzunehmen und zwischen angenehm, gefährlich, aggressiv oder schmerzhaft zu unterscheiden.
Die Wesen erleben Empfindungen, Emotionen und ähnliche Gefühle. Diese Tatsache hat Flucht- und Verteidigungsmechanismen zur Folge, ohne die sie nicht überleben könnten. Daher sind Angst und Schmerz grundlegende Voraussetzungen für das Überleben.
Die Behauptung, dass kein Tier Angst oder Schmerz verspürt, wenn es bedroht oder verletzt wird, zeugt von höchster Ignoranz oder der Absicht, eine lebenswichtige Wahrheit zu verleugnen.
Die Wissenschaft hat belegt, dass die Anatomie, die Physiologie und das Nervensystem von Stieren, Pferden, Menschen und anderen Säugetieren extrem ähnlich sind.
Die Reaktionen dieser Arten sind bei Bedrohung, Schreck oder Verletzung analog. Das lehrt uns der gesunde Menschenverstand und die Wissenschaft bestätigt es.

Stellen Sie sich nach diesen Erläuterungen nun das furchtbare Leiden eines Menschen vor, der anstatt eines Stieres eingefangen und den Qualen eines Stierkampfs ausgesetzt wird.
Zu welcher ethischen Schlussfolgerung für unser Verhalten führt das?
Menschen (Stierkampfliebhaber) dürfen anderen Wesen mit ähnlichen Empfindungen (Stieren und Pferden) keine Leiden zufügen, denen sich die Verursacher (Stierkampfliebhaber) selbst nicht ebenfalls aussetzen würden.
Beim portugiesischen Stierkampf müssen zudem das schreckliche Gefühl der Klaustrophobie und die Panik erwähnt werden, die der Stier erleidet, wenn er brutal in der Ebene eingefangen und auf einem offenen Lkw zur Arena gebracht wird. Danach beginnen die Misshandlungen mit dem Ziel, das Tier physisch und psychisch zu schwächen, bevor es schließlich in den Kampf geschickt wird.

In der Arena wird der Stier während der lide a pé, in der der Toreros, und a cavalo , in der Reiter vom Pferd aus die Banderillas in den Rücken des Stieres stößen, provoziert und gequält. Danach werden die bandarilhas (Lanzen) auf immer brutale und sehr schmerzhafte Weise wieder entfernt (gerriessen oder herausgeschnitten) .
Am Ende wird das Tier erschöpft abtransportiert – verletzt, fiebernd und mit einer metabolischen Azidose, die zu Übelkeit und Vergiftung führt – bis der Tod, einige Tage später, es von seinen Leiden erlöst.

Das Pferd leidet ebenfalls unter der Erschöpfung und der hohen psychischen Anspannung, denn es wird von seinem Reiter benutzt, beherrscht und auf den Stier gehetzt, obwohl seine natürliche Reaktion eher die Flucht wäre, um sich in Sicherheit zu bringen.
Durch die Brutalität des Trainings, die Sporen, die Eisenkandarre im Maul und die Kette um den Unterkiefer, soll das Pferd unterworfen werden. Mehr oder weniger schwere, manchmal tödliche Verletzungen oder sogar der Tod des Tieres durch Ohnmacht oder Herzstillstand in der Arena werden in Kauf genommen.
Es ist schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, zu glauben, dass Stierkämpfer und Stierkampfliebhaber Stiere und Pferde lieben, obwohl sie Ihnen Gewalt antun, sie gefährden und sie leiden lassen.

Ich frage mich, warum ist eine Aktivität, die darauf beruht, Tiere öffentlich zu quälen und leiden zu lassen, weiterhin legal und gesetzlich erlaubt und wird von Einigen sogar geschätzt, gelobt und verherrlicht?
Eine echte Demokratie erlaubt und legalisiert die Folter nicht. Und Sie?

Vasco Reis, 13.6.13

Veröffentlicht am 13.6.13 in Algarve Jornal 123, Portimão, Portugal

Vasco Reis studierte Tiermedizin in Hannover, Deutschland. Er bekam als städtischer Tierarzt auf der Azoreninsel Terceira von 1986 bis 1989 näheren Einblick in die Welt des portugiesischen Stierkampfs. Heute lebt er ein aktives Leben als Pensionär in Aljezur. Er hat 14 Katzen und 3 Hunde und ist Gründungsmitglied einer Umwelt- und Tierschutzorganisation (AEZA), die sich dafür einsetzt, dass im Bezirk Aljezur keine Stierkämpfe stattfinden.

Freitag, Juni 14th, 2013, 15:16 | Allgemein, STIERKAMPF | kommentieren | Trackback

10 Kommentare zu “Der Stierkampf aus Sicht eines Veterinärs”

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  1. 1 14. Juni 2013, Ingrid schreibt:

    Da bringt es Senor Vasco Reis und auch die anderen Mitstreiter genau auf den Punkt. Man will ja den Stieren Schmerzen zufügen, das wird absichtlich getan. Das Leiden der Pferde interessiert sowieso niemanden. Das ist sadistisch, pervers oder???
    Was ich nicht will, was man mir antut, nämlich mir Schmerzen, Angst zufügen, das füge ich auch keinem anderen zu, in erster Linie schon mal gar nicht meinen Freunden, Brüder und Schwestern, den Tieren. Denn sie können sich die Situation nicht auswählen und sie können sich auch nicht wehren. Ich kann mich wehren, ich kann kämpfen, ich bin ein Mensch. Meine Freunde die Tiere nicht…….

    Ich wünsche Senor Reis einen schönen und friedlichen Ruhestand. Gesundheit und viel Glück. Ich bin ihm und seinen Mitstreitern unendlich dankbar. Seine Worte sprechen mir aus der Seele.

  2. 2 16. Juni 2013, Birgit schreibt:

    Toreros lieben ihre Stiere und Pferde!!! Das ist schon wirklich eine komische Liebe.
    Schinden Lebewesen auf schrecklichste Weise zu Tode,sitzen feige auf einem Pferd und lassen sich dann noch feiern.
    Ich hasse diese abartigen,bösartigen,selbstherrlichen ,zutiefst primitiven Kreaturen aus tiefster Seele.

  3. 3 16. Juni 2013, Vasco Reis schreibt:

    Danke TOROLOBBYfreunde, nämlich Ingrid und Birgit. Wir werden unaufhörlich gegen diese furchbare grausame Abart, die unschuldigen Stiere und Pferde opfert und gewissenhafte Menschen empört und besorgt und die Gesellschaft schadet, leidenschaftlich kämpfen. Eine Schande dass Europa das duldet und sogar unterstürzt. Herzliche Grüsse aus Portugal. Vasco

  4. 4 17. Juni 2013, Amor schreibt:

    Am 13. Juno kam in abc.es ein Artikel über die finanziellen Schaden, die das Verbot der Stierkämpfe in Spanien haben könnte.
    http://www.abc.es/espana/20130613/abci-cataluna-toros-201306122050.html
    Eine ganze Industrie, die hinter dem blutigen Geschäft steckt, sieht sich in ihrer Existenz bedroht.
    Züchter, empresarios, Immobilienmakler, Einlasspersonal, Kassierer, Reinigungskräfte, Landwirte, Veterinäre und nicht zuletzt die Arenaskiller, die Matadoren bleiben arbeitslos!
    Die Orte des Grauens, die plazas, bleiben auch ungenützt und stehen leer.
    Stiere sollen geschlachtet werden, weil man sie nicht mehr grausam in die Arenas massakrieren kann und infolgedessen wird Zucht überflüssig.

    Schauen wir mal, was diese Presse-Infos bewirken wollen.
    Empresarios, die jahrelang und mit EU-Gelder von der Ausnützung der Arenas als öffentliche Schlachthöfe reich geworden sind sollen mir Leid tun, dass sie ein paar Millionen weniger verdienen!!

    Die Züchter, die unter «Landwirtschaft» auch von EU für die Lieferung der Tiere als Mordobjekte in die Arenas reichlich bezuschusst wurden, muss ich auch bemitleiden.

    Und nicht zuletzt, für alle Toreros, die ihren Traumberuf als Stiermörder aufgeben müssen soll ich mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung entschädigen!!

    Und so leiten uns die spanischen Medien zum Zauberwort: Entschädigung!!
    In meiner Sprache ist das eine Erpressung: wir morden nicht mehr, wenn die “Umstände” stimmen!

    Millionen Entschädigung für ungenützte Arenas, Millionen zahlen für unbrauchbare Stiere, Millionen blättern für die stillgelegte Stierindustrie.
    Wenn man über die aktuelle Armut in Spanien richtig informiert ist, sollten 5 Millionen Menschen auf Essenspende angewiesen sein.
    Allein das Rote Kreutz hat 2012 über zwei Millionen Menschen gefüttert.
    Unicef berichtet, dass 2,5 Mio. Kinder in Spanien unter der Armutsgrenze leben, Tendenz steigend.

    Das Fleisch aus der Schlachtung der Stiere könnte also eine würdige Verwendung finden, und allen denen eine warme Mahlzeit bereiten!
    Die leeren haciendas könnte man zu Naturschutzgebiete umgestalten, aus der Arenas würden schöne Kinderspielplätze entstehen, mit einem roten Schild am Eingang: «hier haben Tiere ihr Leben gelassen, damit du heute ein schönes Leben im Grün genießen kannst»!

    Was die geringfügige Arbeitslosigkeit unter der Stiermafia betrifft…
    Nach dem Verbot der Stierkämpfe in Katalunien 2010 hätte jeder Arbeitnehmer dieser Branche für ein zweites, anständiges Standbein sorgen müssen: Briefträger, Klempner, Schreiner…

    Wenn irgendeiner Idiot glaubt, dass die arbeitslosen empresarios oder die leeren Stierarenas Spaniens ein teurer Spaß für EU- Bürger wird wenn Stierkampfverbot kommt, der sollte kurzen Fortbildungskurs in Uganda* machen.
    Amor

    * «Spanien ist nicht Uganda» hat mal Rahoy gesagt.
    «Uganda will gar nicht Spanien sein» antwortete der Außenminister Ugandas, Asuman Kiyingi!!!

  5. 5 18. Juni 2013, Isabel schreibt:

    Es ist schon ganz besonders abartig und sadistisch und zeugt ausserdem von grösster Gleichgültig- und Empfindungslosigkeit, wenn gewisse Kreaturen bei einem derart grausamen Spektakel nicht fähig sind das Geringste für das Opfer zu empfinden. Sie belustigen sich bei jeder corrida nicht nur an einem sondern an sechs zu Tode gefolterten Stieren. Mit abgestumpften Augen geniessen sie applaudieren und anfeuernd dieses entsetzliche Verbrechen. Das Leiden dieser blutüberströmten Stiere die sich ausser Atem mit hängender Zunge, in einem aussichtslosen Kampf bis zur völligen Erschöpfung zu verteidigen suchen, erweckt in diesen Kreaturen nicht das Geringste. Was ist das für Abschaum, der sich Mensch nennt und noch das Gefühl hat die Krönung der Schöpfung zu sein? Die Krönung der Grausamkeit wäre hier treffend! Man kann sich nur zutiefst für diesen Abschaum schämen.

  6. 6 19. Juni 2013, Ingrid schreibt:

    @ Senor Vasco Reis,

    vielen lieben Dank für die guten Worte, für ihren Kampf gegen das Verbrechen an den Stieren und auch den Pferden, die “fast” immer vergessen wurden. Ich weiss um das sensible Wesen der Pferde. Ich weiss um die Angst, wenn sie in die Arena müssen, der Stier auch. Sich an Tieren in Kämpfen zu belustigen, sich an ihrem grausamen Todeskampf zu ergötzen ist nicht zu begreifen und gehört auch nicht mehr in unser 21. Jahrhundert. Ich möchte keine blutbesudelten Stiere mehr sehen und auch keine aufgeschlitzten Pferde. Ich möchte, das das aufhört. Ich danke Ihnen, Senor Vasco und allen anderen Mitstreitern für euren unermüdlichen Kampf.

    Ganz herzliche und liebe Grüsse aus der Lüneburger Heide, die Sie vielleicht noch an ihre Zeit in Hannover erinnern wird.
    Ingrid

  7. 7 23. Juni 2013, Linda Rapp schreibt:

    Mein Vater beabsichtigte ehemals in einer gemeinsamen Kooperation
    mit spanischen Kollegen, eine Klinik in Spanien zu eröffnen.

    Einem befreundeten Arzt UND Tierarzt gelang es damals, ihn unerkannt durch die Gemäuer hinter den Arenen zu führen, um ihm die “Schande Spaniens” vor Augen zu führen. Mein Vater kam zutiefst schockiert und völlig fassungslos aus den “Backstage”-Bereichen zurück. Derartige perverse, vorsätzliche (!) Tierschindereien “zum Spaß” habe er bisher nicht einmal in Kriegsgebieten erleben müssen!

    Auch für mich, damals noch Kind, waren die ganz “normale” alltäglichen rohe Gewalt gegen das Tier, denen ich mich überall gegenüber sah, derart traumatisierend, dass ich dieses Land nicht mehr etragen konnte.
    (Klapperdünne, verletzte, humpelnde Pferde vor überladenen Kutschen, Vögel, die in engsten Käfigen in der prallen Sonne an den Hauswänden hingen, Katzenwelpen mit Stacheldraht gefesselt und im Meer ertränkt, Hunde, die ausgesetzt, misshandelt und absichtlich überfahren wurden.
    Gänse, lebendig aufgehängt und Ziegen, die man Kirchtürme herunter warf.)

    SPANIEN erschien mir als EINE HÖLLE FÜR TIERE, ein Freifahrtschein für Sadisten und empathielose menschliche Monster, die völlig ungestraft morden und quälen konnten.

    Schließlich wollten wir nur noch weg aus diesem Vorhof der Hölle und verließen das Land, dass uns – aus diesen Gründen – ein Leben lang in schlimmster Erinnerung geblieben ist.

    Tiere leiden überall unter dem Joch des Menschen, aber die Fratze der denkbar widerlichsten Verrohung, die sich ein teuflisches Gehirn ausdenken kann, grinst einem zweifellos aus den gefühllosen Gesichtern der sog. “Stierkampf-Freunde” entgegen.

    Diese Horden verrohter, gefühlloser, Empathieamputierter, unzivilisierter, feiger und gemeiner Tierquäler und Kinderseelen-Verbieger, wollen sich als “normal” und “erhaltenswert” eingeordnet sehen.

    Würde hingegen meine Nachbarin plötzlich ein Messer aus der Küchenschublade holen und damit auf ein Rind einstechen, würde man sie -mit Verdacht auf eine gemeingefährliche Wahnsinnserkrankung- sicher in eine Irrenanstalt eingewiesen haben wollen.

    Empfindungsfähige Menschen verabscheuen die Perversion am Tier und sind klug genug um zu wissen > unter dem Vorwand der “Normalität” ausgeübt, haben TierQuälereien verheerende Folgen für unsere Kinder. Sie verlieren letztendlich dadurch die Fähigkeit zum Mitgefühl….!!! Auch dieses Verbrechen an der Kinderseele hat der “Stierkampf-Freund” zu verantworten!

    Herr Reis hingegen ist das glatte Gegenteil solchen satanischen, abartigen, zynishen, gewissenlosen, skrupellosen Treibens > ein Hoffnugsträger für Mensch und Tier. Er beweist Herz und Verstand, Einfühlungsvermögen, Mut, Einsatzbereitschaft für humane Werte, Verantwortungsbewusstsein, Achtung vor unseren Mitgeschöpfen, Rücksichtnahme gegenüber Kindern und Wehrlosen. Ihm (!) gebührt Ehre , nicht den Folterschergen!

    Deren unerträgliches, verachtenswertes, barbarisches Treiben muss endlich gestoppt werden.
    Der Stierkampf ist eine entsetzliche Schande für Spanien, jedes Land, dass solche Widerlichkeiten erlaubt und die gesamte Menschheit.

    Den beteiligten Folterern ist zu wünschen, im jenseitigen Leben einen Platz in derjenigen Hölle zugewiesen zu bekommen, welche sie selbst anderen Kreaturen auf der Erde bereitet haben.

    Sollte in Gottes jüngstem Gericht auch nur ein einziges Tier sitzen, wäre den Matadoren,
    Stier- und Pferdeschindern, den Vogelfolterern, den Ziegenwerfern und zugehörigen
    Schreckensgestalten der ewige Aufenthalt im Hades jedenfalls so gewiss, wie das Amen in der Kirche.

  8. 8 23. Juni 2013, Dorothee Schmitz schreibt:

    Was finden diese nach Blut geifernden Zuschauer und Messerstechenden Rinderquäler eigentlich so toll am Stierkampf? Ach ja > “die Grazie, die Technik, den Elan und die Inspiration [...], die Tapferkeit, den Adel und die Eleganz [...]. Dann mögen Sie doch bitte ins Ballet gehen – herzlich willkommen im 21. Jahrhundert!

  9. 9 24. Juni 2013, Birgit schreibt:

    @Linda Rapp und Dorothee Schmitz

    Das sind sehr gute Kommentare!Treffen genau den Punkt.

  10. 10 24. Juni 2013, Birgit schreibt:

    Ich schliese mich Ingrids Worten an und möchte mich auch bei Herrn Vasco Reis bedanken.

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