16th Juni 2013

Die Stimme für die Galgos zieht ins Europaparlament – Demonstrationen in Straßburg, Barcelona und Madrid

08.06.2013 Straßburg – Frankreich: Demonstrationen gegen die Misshandlung von Galgos in Straßburg, Barcelona und Madrid

Am vergangenen Samstag, den 8. Juni, fanden sich ca. 500 Tierschützer und Tierrechtler, viele in Begleitung ihrer Hunde, überwiegendend Galgos und Podencos, in Straßbourg ein, um die sog. “Schriftliche Erklärung für das Beenden der Folter und der Misshandlung von europäischen Windhunden” zu unterstützen. Organisator dieser Demonstration war die französiche Tierschutzorganisation CREL.

Eingereicht wurde die SCHRIFTLICHE ERKLÄRUNG 0006/2013 am 15 April von der franzöischen Europaabgeordneten Michèle Striffler und weiteren 11 Europaabgeorndeten. Wenn diese “Schriftliche Erklärung” in den nächsten drei Monaten von einer Mehrheit der Europaabgeordneten unterzeichnet wird, müssen die Abgeordneten über das Thema debattieren. Das Ziel ist, dass die Europäische Kommission Maßnahmen ergreift, die nach Ansicht der Kommission geeignet sind, das Leiden und die Ausbeutung von Windhunden zu beenden.

Mit der schriftlichen Erklärung soll auch erreicht werden, dass europaweit über die Problematik diskutiert und berichtet wird. Wenn genug Europaabgeordnete unterzeichnen, sendet sich ein starkes und beschämendes Signal nach Spanien, Großbritannien und Irland.

Gegen 12 Uhr trafen die ersten Demonstranten am Treffpunkt, dem Palais de la Musique et des Congres im Herzen von Straßburg, ein. Michelle Stiffler die gegen 14 Uhr zum Treffpunkt kam, wurde schon von zahlreichen Journalisten erwartet. France 3 und AFP gab sie ein Interview, erklärte die Gründe dieser Demonstration und erinnerte daran, wie wichtig die schriftliche Erklärung 0006/2013 und die Mobilisierung aller ist, um die Unterzeichnung der Mehrheit der Mitglieder des Europäischen Parlaments vor dem Stichtag des 14. Juli 2013 zu erreichen.

Um 14.30 setzte sich der Demonstrationszug, der zwei Stunden durch die Innenstadt von Straßburg führte, in Bewegung. Es war ein heißer Tag und die vielen Hunde genossen die Pause an einem großen Brunnen im Stadtzentrum.

Der Demonstrationszug erregte viel Aufmerksamkeit, Infoflyer wurden verteilt und viele Passanten suchten das Gespräch mit den Aktivisten.

Teilgenommen haben zahlreiche Tierschutzorganisationen aus Frankreich, Belgien, Italien, Luxenburg, der Schweiz und Spanien. Deutschland war mit Vertretern der Partei Mensch Umwelt Tierschutz vor Ort, die deutschen Tierschutzvereine die Galgos vermitteln glänzten durch Abwesenheit, nur Hilfe vor Ort – Spanien und motivierte private Tierfreunde beteiligten sich an dieser wichtigen Demonstration.

Am Sonntag fanden Solidaritätskundgebungen in Barcelona und Madrid statt. Diese Demonstrationen hatte die spanische Tierschutzpartei PACMA einberufen.

Um den Forderungen noch mehr Nachdruck zu geben trafen sich Tierschutzorganisationen am Dienstag im Europaparlament mit zahlreichen Abgeordneten zum Dialog. Anwesend waren Vertreter von Galgos 112 und FEPAEX aus Spanien, Galgos Ethique Europe, L’Arche des Levriers, Galgos France, Galgos 74 und CREL aus Frankreich und Belgien, Greyhound Rescue Holland und SOS Levrieri aus Italien. Auch hier glänzten die deutschen Galgo-Vereine mit Abwesenheit. Auch ein spanischer Abgeordneter und Mitunterzeichner der schriftlichen Erklärung nahm an der Versammlung teil, um zu erreichen, dass bis zum 14 Juli die notwenigen Unterschriften eingehen.

Nur gemeinsam sind wir stark, internationaler Zusammenhalt ist unumgänglich, um den Ländern, die die Windhunde gnadenlos ausbeuten, die rote Karte zu zeigen.

Wie heißt es so schön im Artikel 13, Vertrag von Lissabon: “….Tiere sind fühlende Wesen. Das allgemeine Ziel ist sicherzustellen, dass die Tiere keine vermeidbaren Schmerzen oder Leiden erdulden.”

Bestimmte Bereiche fallen jedoch in den Zuständigkeitsbereich der Mitgliedsstaaten, dazu gehören u.a. das Schächten, der Stierkampf und auch die Vorgehensweise im Zusammenhang mit streunenden Hunden und Katzen.

“Bei der Festlegung und Durchführung der Politik der Union in den Bereichen Landwirtschaft, Fischerei, Verkehr, Binnenmarkt, Forschung, technologische Entwicklung und Raumfahrt tragen die Union und die Mitgliedstaaten den Erfordernissen des Wohlergehens der Tiere als fühlende Wesen in vollem Umfang Rechnung; sie berücksichtigen hierbei die Rechts- und Verwaltungsvorschriften und die Gepflogenheiten der Mitgliedstaaten insbesondere in Bezug auf religiöse Riten, kulturelle Traditionen und das regionale Erbe.”

Wir können leider kein Jagdverbot mit Galgos fordern, da dies Ländersache ist, aber wir können fordern, dass die Windhunde gemäß Vertrag von Lissabon als “fühlende Wesen” behandelt werden. Wie die Galgueros auch immer selbst behautpen, wird in einigen Teilen Spaniens traditionell mit Galgos gejagt, als Kultur kann man diese Jagd mit Galgos also nicht bezeichnen. Ebenso wenig die Windhundrennen in England und Irland, bei denen es einfach nur um viel Wettgeld geht.

Keine Hunderasse wird so ausgebeutet wie der spanische Galgo. Verantwortlich für das Leid der Galgos sind die schätzungsweise 170 000 Galgueros, Besitzer von ca. 490 000 Galgos. Laut Tierschützern werden Jahr für Jahr 50 000 Galgos auf unterschiedlichste grausame Art und Weise entsorgt. Spanien ist das einzige europäische Land, in dem es nicht unüblich ist, einen am Baum erhangenen Galgo zu finden. Es geht um sehr viel Geld, aufgrund der Galgos werden jährlich ca.1000 Millionen Euro umgesetzt und 27000 Arbeitsplätze stehen im direkten Zusammenhang mit ihnen, die gesamte Jägerschaft bewegt jährlich 3000 Millionen Euro.

Ähnlich ist die Situation in England und Irland, hier werden die Windhunde von der Rennindustrie ausgebeutet. Windhundrennen und die Wetten sind ein beliebter Zeitvertreib. Greyhounds werden ab dem Alter von 12 Monaten für Rennen eingesetzt und im Alter von 3 bis 4 Jahren ausgemustert, somit ist ihr Schicksal besiegelt. Erschlagene oder erschossene Greyhounds werden immer wieder entdeckt, die Ohren sind in der Regel abgeschnitten, damit der Besitzer nicht ermittelt werden kann. Immer wieder kommt es während der Rennen zu schweren Unfällen mit Genickbrüchen, weil die Rennhunde stolpern und sich überschlagen, ist so ein Greyhound “nur” verletzt, ist dies trotzdem sein Todesurteil, da er für Rennen nichts mehr einsetzbar ist.

Auch in Großbritannien werden gesunde Windhunde getötet, weil sie nicht mehr schnell genug für professionelle Wettrennen sind. Im Jahr 2006 sorgte ein Skandal für großes Entsetzen in der Öffentlichkeit, ein Mann hatte innerhalb von 15 Jahren zehntausend ausgemustertete Greyhounds erschossen und auf seinem Grundstück verscharrt. In Großbritannien werden für Windhundwetten jedes Jahr 3,65 Milliarden Euro ausgegeben.

 

Siehe auch:
Aufruf zur Unterstützung der Kampagne gegen die Misshandlung der Windhunde in Europa
Foto Kampagne SCHRIFTLICHE ERKLÄRUNG 0006/2013 gegen die Misshandlung der Windhunde in Europa
Galgo Horror in Spanien – Willkommen im 21. Jahrhundert
8. Juni: 2. Demonstration für die misshandelten Windhunde Spaniens in Straßburg

 

Sonntag, Juni 16th, 2013, 14:59 | Allgemein | kommentieren | Trackback

2 Kommentare zu “Die Stimme für die Galgos zieht ins Europaparlament – Demonstrationen in Straßburg, Barcelona und Madrid”

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  1. 1 18. Juni 2013, Isabel schreibt:

    Hoffe es nützt dieses Mal was damit diese Schande ein Ende findet.

  2. 2 18. Juni 2013, Bettina Seidemann schreibt:

    Ja, es war schon enttäuschend nicht mehr als eine handvoll Deutsche anzutreffen. Ich frage mich warum?
    Sind wir nicht alle entsetzt was sich fast täglich in Spanien tut?
    Die Vereinsmitglieder sind recht gut in Deutschland verteilt und es gibt sicherlich ein paar, die es nicht weit gehabt hätten. Keiner erwartet dass jemand hunderte von Kilometer fährt – die Belgier haben sich davon nicht abhalten lassen.
    Die Vermittlung der Galgos ist ein wichtiger Beitrag, keine Frage. Aber ist es nicht genauso wichtig die Öffentlichkeit mehr darauf aufmerksam zu machen, dass der Druck auf die Regierung größer wird? Wie viele Tiere sind es, die wir hier aufnehmen können. Es ist ein Bruchteil von denen die auf den Tod warten! Die Kapazitäten der Tierheime in Spanien sind teilweise erschöpft. Viele haben so viele Tiere aufgenommen das Beißereien fast an der Tagesordnung sind. Sie haben sich teilweise in die Abhängigkeit von Vereinen gegeben was die Versorgung betrifft. Fatal wie ich finde. Aber das ist ein anderes Thema.

    Wenn sich per Gesetz nichts tut, werden wir noch viele Galgos sterben sehen, denn darauf zu hoffen, dass sich die Einstellung ändert, dauert viel zu lange…..
    Tina und Christa

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