21st Januar 2014

Perrera Mairena – Das Martyrium hat ein Ende

Es ist geschafft, heute am frühen Abend, sind viele Tierfreunde und Tierschutzvereine, u.a. Sonrisa Animal, La Voz Animal, Asanda und die Stiftung Benjamin Mehnert, dem über Facebook und Twitter verbreiteten Aufruf des Vereins La Sonrisa Animal (LASA) gefolgt und haben sich am frühen Abend vor der Perrera Mairena versammelt, um die noch verbliebenen Hunde zu retten. Der erste Hund der den Ort des Grauen verlassen konnte war ein Galgo. In den letzten Tagen rauchte der Schornstein des Krematoriums, es wurden Hunde getötet, wie viele ist nicht bekannt. Alle Hunde, bis auf 17 die sich in der Quarantäne befinden, konnten gerettet werden. Die Tierfreunde mussten diese Tiere nicht bezahlen. Laut LASA können die restlichen Hunde morgen ab 16 Uhr abgeholt werden.

Pedro Luis Fernández Castillo, der Präsident des “Tierschutzvereins” Sociedad Protectora de Animales y Plantas de Sevilla (SPAPS), gab heute im Fernsehen ein Interview, anbei eine Zusammenfassung der Reportage von heute Abend, ausgestrahlt von Canal Sur – Andalucía Directo:

Es sind ca. 200 Personen vor Ort die Hunde adoptieren, laut Präsidenten der Perrera wurden die Hunde mit “gefährlichen Krankheiten” getötet” Dazu zählen auch Krankheiten wie Leishmaniose! Wer dort einen Hund abgibt, zahlt 35 €, für die Adopotion werden 40 € verlangt! Die sog. Kampfhunde wurden wohl auch getötet. Ferner hat Pedro Luis Fernández Castillo beim Anblick der Beweisfotos behauptet, sie seien gefälscht. Die Tierärztin hat behauptet, dass es bei Kontrollen der Installation nie Beanstandungen gab. Eine Zeugenaussage ist besonders erschreckend. Er hat gesehen, wie Welpen mit einem Knüppel erschlagen wurden, Hunde mit offenen Brüchen nicht behandelt wurden und qualvoll starben. Es gab auch tödliche Beißereien, der Zeuge erzählt von Hündinnen die auf einen Berg von Kot gebären mussten. Ein anderer Zeuge hat ausgesagt, dass eine Wagenladung voll Galgos kam und der Wagen mit einer Ladung anderer Galgos wieder abgefahren ist.

Dies erklärt auch, warum die Schornsteine des Krematoriums in den letzten Tagen Rauch ausstießen, Pedro Luis Fernández Castillo wollte offensichtlich verhindern, dass noch mehr unschöne Bilder an die Öffentlichkeit gelangen und hat eine Säuberungsaktion durchgeführt.

Pedro Luis Fernández Castillo ist von Beruf aus übrigens Tierarzt. Sicher fragen sich viele, wie solche Zustände überhaupt so lange anhalten konnten. Wer sich ein wenig in Spanien auskennt weiß, dass Vetternwirtschaft und Korruption in diesem Land alltäglich sind, eine schmutzige Hand wäscht die andere. Man braucht Komplizen, und der Präsident der Perrera hatte sie, sogar in der Regierung und auch die Seprona, die alle 4 bis 6 Monate die Auffangstation kontrollierte, hatte nie etwas zu beanstanden. Wurde Fernández Castillo gewarnt, oder reicht sein Einfluss sogar bis zur Seprona? Fakt ist auch, dass es dem Verein an Transparenz fehlte, es gab weder Mitgliederversammlungen, Einblick in die Unterlagen über die Vereinsführung noch Offenlegung der Finanzen. Das Geschäft mit dem Tod ist lukrativ, es wird behauptet, dass zum Einschläfern das Medikament Anectine verwendet wurde, es wird normalerweise in der Medizin verwendet, um eine vorübergehende Muskellähmung herbeizuführen und ist wesentlich preiswerter als ein für die Euthanasie zugelassenes Mittel. Ungefähr 11 Gemeinden ließen ihre herrenlosen Tiere von dieser Perrera einsammel oder aufnehmen, für diesen Dienst bezahlte sie jährlich 9 000 € an den Tierschutzverein”, hinzu kommen die Adoptionsgebühren von 40 € und die Mitgliederbeiträge. 2012 kündigten wegen der vielen Anzeigen gegen den Verein, die Rathäuser von Bormujos und Mairena ihren Vertrag, zogen diese Kündigung aber schnell zurück, nachdem Fernández Castillo mit einer Verleumdungsklage drohte. Ein Vereinsmitglied erhielt eine Anzeige, weil sie mit versteckter Kamera die miserablen Zustände in der Perrera gefilmt hatte, der Präsident und Tierarzt, der nun schon 15 lange Jahre im Amt sitzt, fordert 200.000 € Entschädigung, der Prozess soll noch dieses Jahr stattfinden.

Der Leiter der Perrera und seine Komplizenschaft sind nicht die einzigen Verantwortlichen dieser Misere. Mitverantworlich für das tausendfache Leid ist auch die Gesellschaft im allgemeinen, insbesondere die andalusische Gesellschaft sollte sich schämen, dass in der Perrera von Mairena monatlich bis zu 250 Hunde landeten. Die meisten von ihnen in vernachlässigt und missbraucht, vor allem Jagdhunde, insbesondere Galgos.

Erst kürzlich hat die spanische Tierschutzpartei PACMA ein Dossier über die Misshandlung der Galgos in Spanien veröffentlicht und Beschwerde beim Generalstaatsanwalt eingereicht.

Man kann sich kaum vorstellen, was sich in diesen langen 15 Jahren hinter den Mauern der Tötungsstation an Leid abgespielt hat, man kann nur hoffen, dass dies jetzt der Anfang vom Ende ist und heute die letzten Hunde den Ort des Schreckens für immer verlassen können.

Siehe auch:
Perrera Mairena – Ein nicht endender Skandal
Perrera Mairena – Die Wellen schlagen hoch

Dienstag, Januar 21st, 2014, 00:15 | Allgemein | kommentieren | Trackback

10 Kommentare zu “Perrera Mairena – Das Martyrium hat ein Ende”

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  1. 1 21. Januar 2014, Renate Ortel schreibt:

    Liebe Martina, Ich danke dir für diesen Bericht. Inhaltlich trifft das Gleiche leider für viele spanische städtische Tierheime zu. Natürlich freue ich mich, dass viele dieser Hunde gerettet werden konnten, doch wird das insgesamt nichts, gar nichts an der Situation in Spanien ändern. Es sind Einzelschicksale. Nach einigen Monaten der vermeintlichen Ruhe beginnt dann das Drama von Neuem – bis zum nächsten Skandal.
    So geht es seit Jahren. Das Übel an den politischen Wurzeln packen, daran müssen wir alle arbeiten.

  2. 2 21. Januar 2014, Ingrid schreibt:

    Für diesen einen Augeblick wurden die verbliebenen Tiere rausgeholt, sind in Sicherheit. Wie viele durften diesen Augenblick nicht mehr erleben. Die Schornsteine haben geraucht…Es war der 25.12.13 als die furchtbaren Bilder entdeckt und gefilmt wurden. Es war Weihnachten….und normal, dass an diesen Tagen vielfach nicht gefüttert, nicht getränkt, nicht gesäubert wird. Die Zustände seit den 80er Jahren….ich bin froh und danke den vielen Menschen vor Ort für ihren Einsatz….trotzdem, wie konnte es all die vielen Jahre so totgeschwiegen und gedeckelt werden.

    Geschafft ist es noch lange nicht….wie soll es weiter gehen…bleibt der Präsident, dieses Monster. Die Anlage ist im Prinzip für span. Verhältnisse ganz gut. Erst wenn wahre Tierfreunde diese Anlage leiten und die Verantwortung tragen dürfen ist es geschafft….übrigens und natürlich, kein Wort zu den Katzen dort. Wenn es bei den Hunden schon so grausam aussah, dann möchte ich die Zwinger mit den Katzen gar nicht gesehen haben. Und der Schornstein hat geraucht….ja, auch mit dem Tod der Insassen wurde noch Geld, viel Geld verdient….ich glaube, das Furchtbarste haben wir noch gar nicht sehen können, weil schnell und effizient beseitigt. Nein, geschafft ist es noch nicht. Erst, wenn die gesamte TH Leitung, der Vorstand, die Tierärzte und auch die entsprechenden Leute bei der Seprona vor Gericht gestellt und bestraft werden würden könnte es einen Neuanfang geben…..das wird NICHT passieren, denn in “Puerto Real” ist auch nichts passiert….und da waren die Zustände ähnlich.

  3. 3 21. Januar 2014, Maren Degener schreibt:

    Was ich nicht verstehe ist, warum gerade diese Jagdhunde – die Galgos so unglaublich widerwärtig von ihren Besitzern behandelt werden. Was sind das nur für Menschen, die ein Tier so leiden lassen? Schämen sollten die sich.

  4. 4 21. Januar 2014, Bettina schreibt:

    “Das Martyrium hat ein Ende”.
    Danke all den Menschen, die das möglich gemacht haben.

    Ich gebe zu, ich habe sehr lange gebraucht, um überhaupt Worte zu finden.
    Unvorstellbares Leid ist hier geschehen. Über Jahre.

    Die Perrera Mairena ist wohl das Spiegelbild der spanischen Gesellschaft.
    Im Allgemeinen.
    Korruption, Vetternwirtschaft, Gleichgültigkeit, Ignoranz, …
    Angefangen bei der Regierung bis in die Gemeindevertretung des kleinsten Dorfes.
    Das, was hier den Tieren angetan wurde, scheint “Programm” im sonnigen Spanien zu sein.

    Solange in den Köpfen der Menschen nicht aufgeräumt wird, solange werden Misshandlungen und Quälereien, Vernachlässigungen und Tötungsdelikte an Tieren fortbestehen.
    Dies gilt nicht nur für solche Perreras, in denen Hunde und Katzen erbärmlich dahinvegetieren, sondern auch für den legitimierten tausendfachen Galgomord.

    In diese Rubrik gehören auch der bestialische Stierkampf und alle damit im Zusammenhang stehenden sogenannten “Traditionen”.

    Wer bestraft eigentlich die Täter?!
    Welche Strafe erwartet sie?!
    Ehrlich gesagt, ich stimme denen zu, die hier Gleiches mit Gleichem vergelten würden.

  5. 5 22. Januar 2014, Raab schreibt:

    Ein Tierarzt zu sein, heißt noch lange nicht, dass er auch Tierfreund ist. Mir sind immer noch die furchtbaren Filme in Erinnerung, in denen im deutschen TV gezeigt wurde, wie Tierärzte in einer Tötungsanlage in Malaga in ihren weißen Kitteln die Katzen körbeweise in die Vergasung schoben, die Babies vor den Augen der Mütter an die Wand knallten (wenigstens mussten die dann nicht den grausamen Giftgastod sterben), wie sie Hunde in die Vergasungsbehälter steckten. Man konnte die Schreie der armen Kreaturen aus großer Entfernugn hören, und die verdammten Tierquäler standen rauchend da und unterhielten sich. Ich wünschte mir heute noch, dass sie genau so einen grausamen Tod sterben sollen wie die von ihnen umgebrachten Tiere. Allen Tierquälern wünsche ich das.
    Wenn solcher Abschaum sich dann noch als Tierschützer hinstellt und ihm wehrlose Tiere zum “Schützen” ausgeliefert sind, was kann man dann erwarten? Und sicherlich gibt es in diesem verdammten Spanien noch viel mehr solcher “Tierschutz”anlagen, wo sich geldgieriges Gesindel an den bedauernswerten Geschöpfen bereichert und diese elend verrecken lässt, nicht ohne vorher auch noch den letzten Cent an Geldern aus ihren ausgemergelten Körpern zu quetschen und einzusacken. Man kann nicht umhin, viele Parallelen zu Rumänien zu sehen …

  6. 6 23. Januar 2014, Saskia schreibt:

    Ich war erschüttert,als ich das Video gesehen habe. Ich habe keine Worte dafür, diese Grausamkeitem zu beschreiben. Solche Video bringen einen zum weinen. Ich bin froh,dass sie gerettet wurden.Leider mussten aber auch so viele Hunde in dieser Anlage sterben. Als ich das Video gesehen habe, ist mir der Hund mit dem verletzten Bein aufgefallen,der gehumpelt ist. Er geht mir nicht mehr aus dem Kopf heraus. Weiß jemand, ob er gerettet ist. Und auch die Welpen. Sind sie außen.Ich verstehe nicht,warum es Menschen gibt,die die Tiere so grausam töten können.Haben sie kein Gewissen? Diese Menschen sollen elendig verrecken. Das haben sie verdient.

  7. 7 23. Januar 2014, Ingrid schreibt:

    Zu Kommentar von “Raab”

    Genau so ist es!!!!! Tötungsanlagen= Tier KZ wie Krakenarme in ganz Spanien. Und der unermessliche Nachschub rollt. Und Zustände wie in Mairena, kein Einzelfall…

    Warum wohl holen Tierschützer grad zu Weihnachten und auch sonst noch an Tieren raus was möglich ist….

    Aber das diese Anlage sonst in Ordnung gewesen sei, eine einzige Lüge!!!!!

  8. 8 24. Januar 2014, martina schreibt:

    Ich habe mich nach dem Hund erkundigt, niemand weiß wo er ist, daher geht mal leider davon aus, dass er getötet wurde. Falls nicht, melde ich mich.

  9. 9 25. Januar 2014, Ingrid schreibt:

    Und wo sind all die Hunde aus dem Video. Der Schäferhund, die vielen, schönen Galgos. Der kleine Bretone, weiss/braun aus dem letzten Zwinger. Wo sind sie alle???? Das ist ein Verbrechen…..wenn ich könnte, wie ich wollte… diese Verbrecher.

  10. 10 25. Januar 2014, saskia schreibt:

    oh nein,bitte nicht.Er darf nicht tot sein.Es macht micht so fertig!!!

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