8th März 2010

Stierkampf-Debatte in Katalonien beunruhigt französische Stierquäler

Die Gesetzesinitiative zu einem Stierkampfverbot in Katalonien lässt die französischen Stierquäler nicht mehr ruhig schlafen. Bisher saßen sie auf dem hohen Ross und wähnten sich unangreifbar, da sie doch den Schutz von Präsident Sarkozy und seiner Regierung genießen, deren wichtigsten Minister begeisterte und bekennende Stierkampffans sind. Dass ausgerechnet in Spanien, dem Ursprungsland der Corrida, über die Abschaffung des Stierkampfs diskutiert wird, muss sie sehr schockiert haben. Besonders den nordkatalonischen aficionados aus dem französischen Teil Kataloniens ist der Schreck in die Glieder gefahren. Sie fürchten nun, die spanische Kulturschande in Katalonien allein und völlig isoliert aufrecht erhalten zu müssen. Die französischen Stierquäler verspüren, dass bald der politische Schutz nicht mehr ausreicht, wenn die bisher passive Ablehnung durch die Mehrheit der Bevölkerung, wie mit dem Referendum im spanischen Katalonien geschehen, einen politischen Ausdruck findet.

In der letzten Woche ist das Projekt des Stierkampfverbots in Katalonien mit der Anhörung von Stierkampfbefürwortern und -gegnern durch das katalonische Parlament in die heiße Phase übergegangen. Es mutet schon seltsam an, dass als Verteidiger des Stierkampfs ausgerechnet drei prominente französische Stierkampfbefürworter vom katalonischen Parlament vorgeladen wurden – vielleicht in Ermangelung von Stierkampfpromis aus der eigenen Region? Die katalonischen Abgeordneten waren sicherlich sehr davon beeindruckt, dass die französischen Stierkampfexperten ihre Plädoyers in französischer und nicht in katalonischer Sprache gehalten haben. Hätten sie jedoch Spanisch, der Lingua franca der Stierquäler, gesprochen, die sie sicherlich gut beherrschen, hätten sie sich ihren Auftritt vor den nach Autonomie bestrebten katalonischen Parlamentariern sparen können. Begleitet wurde die Intervention der französischen Stierkampfvertreter mit einem offenen Brief „aller“ französischen Pro-Stierkampfpolitiker an das katalonische Parlament. Peinlich, denn drei der angeblichen Unterzeichner unterstützten die Initiative aus dem Jenseits, sechs Bürgermeister und 19 Abgeordnete sind schon lange nicht mehr im Amt , sieben Abgeordnete wurden zweimal aufgeführt und zwei sind erklärte Gegner der Corrida!

In ihren Ausführungen gebärdeten sich die Franzosen als Gralshüter der spanischen Corrida und faselten von althergebrachter Stierkampftradition in ihrem Lande. Dabei verschwiegen sie wohlweislich, dass die Corrida ein pures Importprodukt ist, das zudem noch vor rund 160 Jahren mit einem Gesetzesbruch in Frankreich eingeführt wurde: Napoleon III. konnte dem Wunsch seiner frisch angetrauten spanischen Gattin Eugénie de Montijo nicht widerstehen, zur Begrüßung auf französischem Boden in der Stadt Bayonne einer Corrida beiwohnen zu wollen. Das störende Tierschutzgesetz wurde ihr zuliebe kurzerhand abgeschafft. Seitdem ist die Geschichte der Corrida in Frankreich vom wechselnden Verbot und Wiederzulassung geprägt. Im Jahre 1950 wäre sie beinahe ganz abgeschafft worden, wenn nicht in letzter Minute die Stierkampfveranstalter eine Ausnahmeregelung zum Tierschutzgesetz für die Corrida durchgesetzt hätten. Stierkämpfe werden in diesem Gesetz zwar als Tierquälerei angesehen, jedoch von den Strafbestimmungen ausgenommen, wenn für sie eine „ununterbrochene lokale Tradition“ nachgewiesen werden kann. Seitdem beschäftigten sich damit unzählige Gerichte, diese drei Begriffe zu interpretieren, und jedes Mal wurde gegen die Leid geprüften Stiere entschieden.

Mit der Entwicklung in Katalonien beginnt es im französischen Stierkampfimperium zu bröckeln. Umfragen zeigen, dass die Bevölkerung es nicht mehr als schick ansieht, wie dazumal Picasso und Jean Cocteau sich in den von der mediterranen Sonne durchströmten Arenen Südfrankreichs an dem blutigen Gemetzel ergötzten. Die Mehrheit der Franzosen lehnt den Stierkampf rundweg ab und nur im Süden duldet die Bevölkerung, allerdings ohne großes Interesse, das grausame Spektakel. Gäbe es in Frankreich wie in Katalonien die Möglichkeit, mit einem Referendum über das Schicksal der Corrida zu entscheiden, bestünde kein Zweifel über dessen Ausgang. So können die Politiker weiterhin lavieren; sie haben sowieso nicht viel zu entscheiden, denn der Ober-Aficionado im Elysee-Palast lässt sich das letzte Wort nicht nehmen.

Was bleibt den französischen Stierquälern anderes zu tun, als die Flucht nach vorne zu wagen und für den Stierkampf die höheren Weihen der UNESCO zu fordern. Ihr Projekt, den Stierkampf als Immaterielles Kulturerbe von der UNESCO schützen zu lassen, wird bald der Regierung, die das Vorschlagsrecht dazu gegenüber der UNESCO hat, unterbreitet werden. Die französischen Stierkampf-Organisationen möchten, dass ihre Regierung sich an die Spitze dieses Projekts setzt, dem alle Länder, in denen Stierkämpfe praktiziert werden, mit einem gemeinsamen Antrag folgen können. Wird nun die französische Regierung, alle parlamentarischen Kontrollen umgehend und gegen die gegensätzliche Meinung ihrer Bevölkerung, als erste wagen, den Schutz des Stiermords vor der ganzen Weltöffentlichkeit zu beantragen? Wir sind gespannt! Eine Regierung, die zulässt, dass ihr Botschafter anlässlich des Erscheinens der spanischen Ausgabe einer französischen Corrida-Zeitschrift einen großen Empfang für die gesamte spanische und französische Corrida-Prominenz gibt, lässt nichts Gutes erwarten.

Bleibt noch ein Wort über die französischen Sozialisten zu verlieren, unter denen es nicht wenige gibt, die keinen Hehl über ihre widerliche Leidenschaft machen. Es ist schwer zu erklären, warum gerade sie einem Spektakel anhängen, dem eindeutig faschistische Züge anhaften. „Die Corrida ist die Cousine des Faschismus, ein schwachsinniges Kind einer schwärmerischen Männlichkeit, die ihre Anhänger verleitet, den Tod zu küssen und sie auffordert, eine Lebensweise anzunehmen, die nach Kadavern stinkt.“ Vor dem spanischen Bürgerkrieg verbot die aus freien Wahlen hervorgegangene spanische Republik den Stierkampf. Franko ließ ihn wieder als Fiesta nacional aufleben und benutzte ihn, sich selbst im Kreise der Toreros als Nationalheld zu feiern. Das benachbarte Vichy-Regime in Frankreich ahmte ihm nach und zelebrierte die Corrida als Spektakel im Stile Leni Riefenstahls. Wenn der Stierkampf eine Tradition hat, ist sie ausschließlich in diesen Wurzeln zu suchen: Dominanz des Herrenmenschen und blutige Unterdrückung von Schwächeren!

Wie schön könnte man in Südfrankreich leben, wenn es dieses abscheuliche Gemetzel in den Stierkampfarenen nicht gäbe. Mit unserem lokalen Anticorrida-Komitee setzen wir uns seit 2002 dafür ein, dass der Stadtrat von Carcassonne den Stiermord nicht mehr finanziell unterstützt. Der im letzten Jahr neu gewählte Stadtrat beschloss kürzlich, dass von der Stadt nicht mehr wie bisher für den Stierkampf eine mobile Arena angemietet wird. Erstaunlich war, dass der Stierkampf begeisterte Bürgermeister von fast allen anderen Stadträten überstimmt wurde und diese Entscheidung akzeptierte. Leider kann die Stadt Stierkämpfe in ihren Mauern nicht verbieten, denn dazu fehlt die gesetzliche Grundlage. Ob der hiesige Stierkampf-Club die Mittel aufbringt, um weiterhin in Carcassonne Stiere zu Tode quälen zu können, ist die spannende Frage, auf deren Beantwortung wir nun warten.

Anke und Karl Daerner

www.stop-corrida.info

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Zitat:
Ca branle dans le manche

Quellen:

Stuttgarter Zeitung

SOS Galgos

FLAC

CRAC

Unanimus

STIERKAMPF | 1 Kommentar

8th März 2010

Oscar für „Die Bucht”

Der Dokumentarfilm “The Cove” (Die Bucht) über japanische Delfinmassaker in der Bucht von Taiji wurde gestern von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences als besten Dokumentarfilm ausgezeichnet, dies ist ein reisiger Hoffnungsschimmer, dass das Morden bald ein Ende hat.

Ausführliche Informationen: WDSF

Auch Paul Watson, der Kapitän der Sea Shepherd, wurde 2008 für diesen Film interviewt.

Tierschutz weltweit, VIDEOS | 0 Kommentare

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SOS Galgos - 2010 März 08

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