5th November 2011

Michelito, Kinder Matador

Pilar Rahola | 04/02/2010

Dies ist kein Artikel über Stierkämpfe, obwohl auch Stiere in ihm sterben. Dies ist ein Artikel über die Kindheit, über die öffentlich gefeierte und vermarktete Verletzung der Rechte eines Jungen, über die Gleichgültigkeit mit der die öffentliche Hand dieser Verletzung beiwohnt, über die Ruchlosigkeit, die ein Vater über seinen Sohn ausübt, wenn er ihn zur Geldquelle degradiert.

Dies ist ein Artikel über die glückseligen Sterblichen, die eine plaza (Stierkampfarena) besuchen, um sich an dem Risiko zu vergnügen, dem ein Kind ausgesetzt ist, die sich an der düsteren Perversität ergötzen, ein Kind vor einem Stier zu sehen und, wenn er auf die Hörner genommen wird, Krokodilstränen zu vergießen.

Und es ist auch ein Artikel über die Stierkampfkritiker, die ihn mit überspannten Lobreden überschütten. Als Beispiel sei hier nur der Ablauf seines letzten Stierkampfs in Cali erwähnt, der dem 12jährigen Jungen, der sich seit dem 10. Lebensjahr als Stierkämpfer betätigt, auf die Krankenstation schickte: „Alles war ein sich drehen und ausweichen, wenn nicht gar rennen um einem Angriff auszuweichen. Trippelnd stach er viermal zu, bevor er mit dem Degen des Todes nicht richtig traf.

Der Stier wurde zuvor entsprechend durch Verletzungen geschwächt und seine Hornspitzen wurden abgeschliffen, doch ein Jungstier von 306 kg brachte Michelito einge Verletzungen bei. Das Schreckliche an diesem Fall ist, dass Michelito schon andere Male auf die Hörner genommen wurde, einmal in Lima, allerdings sehr schwer und einige Stierkampfkritiker erachteten den Jungen als nicht fähig, mit einem Stier zu kämpfen und dass er wieder zurück auf das Niveau eines becerristas (Stierkampflehring) in irgendeiner Stierkampfschule sollte.

Doch währenddessen zeigt er sich gleich einer Gans, die goldene Eier legt auf den lateinamerikanischen Stierkampfplätzen, seinen Vater beglückend, der in Michelito das Geschäft seines Lebens gewittert hat, einige Stierkampfzüchter, die sich an der Erwartung, die ein Stierkampfjunge hervorruft, bereichern und ein Publikum, das angesichts einer solch gewaltätigen Veranstaltung förmlich sabbert.

In der Verherrlichung der Barbarie kämpfen andere Jungen bereits mit Stieren wie er und man hat bereits einen Kinderstierkampf, um den Jahrestag der Stierkampfarena in Mexiko zu feiern, angekündigt. Während man solche begeisterten Nachrichten über die Veranstaltung liest, kann man nur noch schlussfolgern, dass die Welt verrückt geworden ist. Und natürlich selbstverständlich auch schrecklich grausam.

Und denken wir jetzt nicht an die Welt “auf der anderen Seite des Atlantiks”, weil wir uns in Erinnerung rufen sollten, dass der “Ruhm” von Juli genau in der Tatsache entstand, dass er mit 15 Jahren anfing mit Stieren zu kämpfen und so als jüngster Stierkämpfer in die Geschichte einging. Und alle Welt applaudierte ihm, erfreute sich an ihm und feierte es, dass ein Minderjähriger einen derartigen Wahnsinn ausführt.

Die Frage lautet: Worüber jubeln sie? Dem Gefallen am Risiko eines Minderjährigen, die Vorstellung, dass eine so zarte Person sich einem großen Tier entgegenstellte, klatschten sie dem Tod Beifall? Die Problematik ist, dass wir zulassen, dass man einem 10jährigen Jungen erlaubt eine Karriere als matador (Schlächter) zu beginnen, wie man nun seine vielen Angriffe von Stieren applaudiert. Dies alles ist schmutzig, dies alles ist traurig, dies alles ist pervers.

Doch letztendlich, was kann man von einem Spektakel erwarten, dem Folter und Tod zugrunde liegen?

Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Pilar Rahola
Übersetzung: Caroline Waggershauser

Siehe auch:
Becerrada – Töten ist nicht leicht
Guinness verweigert Kindertorero Michelito den Stiermord-Weltrekord
Niederlage für den jungen Stiermörder Michelito
Michelito kann es nicht lassen

Allgemein, STIERKAMPF | 0 Kommentare

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SOS Galgos - 2011 November 05

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