19th April 2012

Wildtierschutz Deutschland e.V. – Müssen Jäger Katzen töten?

In Deutschland werden durch die Jagd jedes Jahr mindestens 200.000 Katzen getötet. Sie seien eine Gefahr für Rebhühner und für Singvögel. Wildtierschutz Deutschland erörtert die Sinnlosigkeit dieser antiquierten Artenschutz-Vorstellung und kommt zu dem Schluss, dass die Katzenjagd schon allein zahlenmäßig im Hinblick auf eine Bestandsregulierung vollkommen ineffizient ist.

Müssen Jäger Katzen töten?

Es gibt wenig öffentlich zugängliche Zahlen über die Anzahl der im Rahmen der Jagdausübung getöteten Katzen. Offizielle Statistiken weisen z.B. für Nordrhein-Westfalen für das Jagdjahr 2010/2011 eine Katzenstrecke von 12.249 Tieren aus, in Schleswig-Holstein wurden 6.183 Katzen als offizielle Strecke gemeldet. „Eine Hochrechnung der offiziellen Zahlen anhand der Anzahl der Jäger ergäbe für Deutschland etwa 55.000 bis 110.000 getötete Katzen, inklusive Dunkelziffer dürfte deren Anzahl aber weit über 200.000 liegen“ erläutert Lovis Kauertz von Wildtierschutz Deutschland.

Wie auch immer – einhundertausend oder zweihunderttausend bedeuten emotional gesehen tausendfaches Leid für Familien, die geliebte Familienmitglieder verlieren, und rechtlich gesehen nicht nur einen Widerspruch zu geltendem Tierschutzrecht, sondern auch einen Eingriff in das Eigentumsrecht. Der Gesetzgeber hat die entsprechende Regelung weitgehend unverändert aus dem Reichsjagdgesetz von 1934 übernommen, davor war die „Tötung revierender Hunde und Katzen“ bereits im Preußischen Jagdgesetz von 1848 geregelt.

Zur Rechtfertigung des Katzenabschusses gibt es keine nennenswerte Literatur – was schon die geringe Bedeutung des Themas für den Artenschutz belegt. In einigen von Jägern zitierten Studien, wird die Auswirkung von Katzenprädation auf Singvögel allenfalls am Rande erwähnt. Es gibt aber keinerlei Belege dafür, dass Hauskatzen in Deutschland irgendeine Tierart im Bestand gefährden könnten. Selbst wenn man einräumt, dass Katzen eine besondere Gefahr gerade für Jungvögel sind, so muss man doch wissen, dass Vögel ihre Jungtierverluste von Natur aus mittels mehrerer Bruten im Jahr ausgleichen.

Die Sinnlosigkeit des Tötens von Katzen aus vermeintlichen Gründen des Artenschutzes verdeutlichen auch folgende Zahlen:

Insgesamt gibt es in Deutschland etwa 6 Millionen Katzen, die als Freigänger und potentielle Vogeldiebe unterwegs sind. Durch den jagdlichen Eingriff werden weniger als 5 % dieses Bestandes getötet, was aus Sicht des vorgegaukelten Artenschutzes aber vollkommen ineffizient ist.

In einer Pressemitteilung spricht der Deutsche Jagdschutzverband davon, dass etwa 2 Millionen verwilderte Katzen jährlich 6 Millionen Singvögel erbeuten – nach Berechnungen des Deutschen Rates für Vogelschutz kommen in Deutschland jedes Jahr über 300 Millionen Jungvögel zur Welt. Auch diese Relation macht anschaulich, dass das Töten von Katzen nicht einmal ansatzweise dem Artenschutz dient. Selbst wenn man davon ausginge, dass freigehende Katzen jedes Jahr theoretisch die Hälfte des Jungvogelbestandes erbeuten würde, wie es Vogelschützer vorrechnen – der Jagdschutz würde diese Menge lediglich um 5 % reduzieren.

Dazu Wildtierschutz Deutschland: „Der konservativen Jägerschaft ist es in den vergangenen Jahrzehnten gelungen, eine grundlegende an wissenschaftlichen Erkenntnissen orientierte Novellierung der Jagdgesetzgebung zu verhindern. Man könnte den Eindruck haben, ihnen das Privileg des Jagdschutzes zu nehmen, also des Tötens von Katzen und Hunden, sei für sie die Vorstufe zum Weltuntergang.“

Pressekontakt

Wildtierschutz Deutschland e.V., Lovis Kauertz (Vorsitzender), Am  Goldberg 5, 55435 Gau-Algesheim, T. 0177-7230086, wildtierschutz@gmail.com, www.wildtierschutz-deutschland.de

www.schonzeit-fuer-fuechse.de

Donnerstag, April 19th, 2012, 20:54 | Allgemein | kommentieren | Trackback

5 Kommentare zu “Wildtierschutz Deutschland e.V. – Müssen Jäger Katzen töten?”

Diese Beitrag kommentieren.

  1. 1 20. April 2012, carmen schreibt:

    Hinter vorgehaltener Hand wurde mir von einem Jäger schon mal gesagt, daß er besonders gerne “ auf Katzen ansitzt „, d.h. ihnen gezielt auflauert, um sie abzuknallen; ist doch aufregender, als auf Tontauben zu schießen!

  2. 2 21. April 2012, Bettina schreibt:

    Ob Katzen oder andere Tiere, …
    Jäger scheinen gern zu töten.
    Warum sonst gibt es in Deutschland Reiseunternehmen, die Jagdreisen anbieten?!
    Bei „Globus – Jagdreisen“ kann man „alles“ haben. Ein Ausdruck von Dekadenz.

    Die dort nachzulesenden Jagdberichte sind für einen Tierfreund schockierend.
    Nur ein kleiner Auszug:
    „… eine starke Bache, dann zwei Frischlinge. Zuerst erlege ich einen Frischling auf 30 Meter und fehle den zweiten, treffe ihn aber mit dem dritten Schuss. Eigentlich liebe ich es so: den ganzen Tag über flott jagen, … denn dazu sind wir schließlich hier.
    Dann sehe ich eine Bache mit zwei Frischlingen. … Wie die Stücke … flüchten, roulliert der letzte Frischling im Knall. Ein herrliches Bild! …“

    Diese Art von Jagdberichten setzt sich ungehindert fort.
    Es gibt wohl keine Tierart, die nicht erwähnt wird. Man kann es sich ja aussuchen.
    Angebote über Angebote. In so vielen Ländern kann gejagt werden.
    Stolz präsentieren sich dann die „Jäger“ mit ihrer Beute.

    Einerseits redet man vom Tierschutz, baut Reservate, müht sich um die noch(!) existierenden Tierarten, kämpft für deren Lebensraum, … es treffen sich Großorganisationen und diskutieren …, Stiftungen, Fonds werden eingerichtet.
    Und andererseits werden aus Spaß Tiere einfach abgeknallt.
    Die Tierheime sind voll, die Tierschützer brauchen Geld.
    Und hier werden Tausende Euro aus privaten Kassen hinausgeworfen, nur um den eigenen Jagdtrieb zu stillen.
    Es ist traurig und schändlich, dass Deutschland solche Reiseagenturen gestattet.

    Katzen sind für Vögel wohl das kleinste Übel.
    Ach ja, wie wär’s mit einer Reise nach Argentinien, zur Vogeljagd …

  3. 3 21. April 2012, Isabel schreibt:

    Wenn angeblich Katzen so viele Vögel jagen, weshalb erlegen dann Jäger jedes Jahr Millionen von Vögeln???? Wohl nur deshalb weil diesen Mördern das Töten halt einfach viel Spass macht. Lasst das Vogeljagen den Katzen; die sorgen schon dafür, dass das Gleichgewicht in der Natur stimmt.

  4. 4 23. April 2012, Ingrid schreibt:

    Jäger sind Katzenhasser, das ist Fakt. Wo ist unsere heimische, einzige Wildkatze. Nahrung zu über 60 % Mäuse. So gut wie ausgerottet, dank der lieben Jägerschaft. Was in südl. Ländern schon beim Vogelzug abgeknallt wird, Malta, Zypern, Italien, Spanien, Griechenland, darunter gerade unsere wertvollen heimischen Sommervögel, kann hier nicht mehr ankommen. Erschreckend, was an Zugvögeln hier bei mir noch ankommt. Waren es vor 5 Jahren noch hunderte von Erlenzeisigen, Buchfinken, Bergfinken, Goldhähnchen, sind es die letzten 2 Jahre grad mal noch eine handvoll Zugvögel gewesen, die bei mir Rast gemacht haben, trotz Katzen. Lassen sie einer Katze die Wahl, Mäuse, Ratte oder Vogel, er wird sich immer für Mäuse entscheiden. Die 3 Vögel, die mein Kater übers Jahr fängt, fallen gar nicht ins Gewicht (ich dulde das nicht!!! und es gibt auch böse Worte und Bericht von mir für den Kater und er lässt die Vögel im Garten nun auch in Ruhe), bei den Millionen von Zugvögeln, die unterwegs schon abgeknallt und mit Leimruten gefangen werden. Aus Spass. Allen voran, Malta, Zypern. Ach ja, das sind doch tolle Urlaubsländer oder ???? Und der Sperber, der jeden und jeden Tag in meinem Garten Jagd auf Singvögel macht,denn davon lebt er, Elstern, Eichelhäher, die kein Nest und keinen Jungvogel verschonen machen richtig Beute. Dagegen ist eine Katze ein Witz. Wo erscheinen diese Zahlen???. Jäger töten aus Spass, aus Freude. Es ist so einfach, den Finger krumm zu machen, einfacher jedenfalls als einen Knick und Randgehölze zu setzen, mit wertvollen Futtersträuchern wie Erlen, Schlehen, Vogelbeeren etc. Das dürfen dann die Naturschützer machen. Der Fasan, Hase ist selten, Rebhühner noch seltener geworden, warum??? Gerade sie brauchen Randgehölze, Knicks, Wildgräser und Äcker auf denen nicht schon im März die Giftdusche kommt und Wiesen, die nicht bei einer Höhe von 20-30 cm Anfang Mai schon abgemäht werden und dann aussehen wie ein englischer Zierrasen. Schuld am Rückgang dieser Tiere ist nicht Fuchs, Dachs, Katz sondern einzig und allein der Mensch. Die zu intensive Landwirtschaft, keine Rückzugsmöglichkeiten mehr für Fasan und Co. Und die Jagdreisen gehören für mich verboten. Eine Schande Austellungen wie Jagd und Hund. Pfui Teufel. Es stimmt, was Bettina schreibt. Ihr könnt weltweit jede Jagdreise buchen, das entsprechende Tier im Internet reservieren. Die Jagdfarmen bieten alles aber auch alles an. Vom seltenen Nashorn bis zum Elefanten. Löwe und Co., sprich Leopard sowieso…..und der spanische König machts ja vor….WWF Pfui Teufel, dass habt ihr nicht gewusst???? Dass dieser Mensch Grosswildjäger und Stierkampfanhänger ist???? Dieser Mann hat auch noch den Vorsitz/ Schirmherr Spanien bei euch???? Na danke, von mir nicht einen müden Cent mehr für euch…!!!!!! Und das ganze schwachsinnige Gesabbel, Katzen erbeuten Millionen Singvögel, ich kanns nicht mehr hören…..Jäger töten aus Spass und mich hat noch keiner dieser Sorte eines besseren belehrt, bzw. mir anständige Fakten geliefert…..sie sind die heimlichen Killer, die eine nicht zu geringe Mitschuld am Rückgang unserer Fauna beitragen und die Landwirte gleich mit….

  5. 5 6. Juni 2012, Tunde schreibt:

    Wenn die Jäger unbedingt töten wollen und damit Artenschutz betreiben wollen dann wieso schießen die nicht auf die Bauern?
    Das wäre doch das Naheliegendste.
    Große Monokulturen zerstören Lebensräume und Ökosysteme, das ist für die katastrophale Rückgang mancher Tierarten verantwortlich.
    Also Jägerkollegen, haltet euch doch nicht zurück..!!! Ran an die Bauer die es wagen, mit dem Traktor unterwegs zu sein. Stellt euch doch vor, wieviele nette Wildtiere, die ihr sonst abknallen könntet, durch die moderne Agrarwirtschaft (aka BAUER und sein TRAKTOR) erst gar nicht geboren werden können!
    Oh ja, dass die Katzen keine Lobby haben..?
    Dass die klein sind und schutzlos und euch keinen Arschtritt verpassen können..?
    Dass die garantiert nicht zurückschießen können?
    Ah ja, DARUM geht es eigentlich……….

Kommentar Schreiben

  • sos-galgos.net

  • Facebook

  • Netzwerk


SOS Galgos - Wildtierschutz Deutschland e.V. – Müssen Jäger Katzen töten?

Switch to our mobile site