18th November 2013

Stierkampf – Das Schleifen der Hörner

Es ist schon erstaunlich, dass jetzt, wo der Stierkampf zum Immateriellen Kulturerbe erklärt wurde, darüber berichtet wird, dass die Policía Nacional, die Hörner getöteter Stiere untersucht, um festzustellen, ob sie abgeschliffen wurden und einen Kurs für Tierärzte anbietet, um sie als Sachverständige auzubilden. In den letzten drei Jahren wurden gerade mal 28 Hörner getöteter Stiere untersucht, eine lächerlich geringe Anzahl. Jetzt, wo der Stierkampf zum Kulturerbe ernannt wurde, will man offensichtlich das Spektakel als “sauber” verkaufen.

Das Hornabschleifen, „afeitado“ genannt, ist keine ungewöhnliche Praxis obwohl es ausdrücklich im „reglamento taurino“ verboten ist und auch von eingefleischten Stierkampffans auf das Energischste abgelehnt wird. Denn dies stellt einen Betrug an der „fiesta“ und auch am Publikum dar. Auch wird diese Prozedur mit empfindlichen Geldstrafen belegt. Im Titel 5, Kapitel 1, Artikel 47, Paragraph 1 und 2 der Stierkampfverordnungen Spaniens, des „reglamento taurino“ ist ausdrücklich festgehalten, dass die Hörner der zu bekämpfenden Rinder unversehrt sein müssen und dass es der Verantwortung der Kampfstierzüchter unterliegt, dem Publikum unversehrte Kampfrinder vorzuführen (Gesetzestext, spanisch).

In den Vorschriften zur obligatorischen Untersuchung der Stiere vor dem Stierkampfspektakel durch Tierärzte, die der Tauromachie dienen, ist festgehalten, dass die Vollständigkeit der Hörner der Kampfstiere gegeben sein muss, um diesen als „trapío“ und für den Kampf geeignet einzustufen. Da der „afeitado“, der im Kürzen seiner Hornspitzen besteht, den Kampfstier im Gesamtbild an „trapío“, d.h. an Harmonie, Grazie, Anmut und Stattlichkeit verschlechtert. So wurde einmal im Jahre 1994 eine gesamte „corrida“ suspendiert, weil die Tierärzte alle Stiere als „rasiert“ einstuften.

Das Rinderhorn ist ein lebendes Organ mit Nervenbahnen und Blutgefäßen, in dessen Inneren sich bis zu einer gewissen Länge die Fortsetzung der Stirnhöhle befindet. Wird das Horn zu kurz geschnitten, gesägt oder geschliffen, führt dies dann zu unvorstellbaren Schmerzen, die die niedergefesselten Stiere durch Brüllen, Stampfen und erhöhtem Speichelfluss zum Ausdruck bringen. Bis zu 10 cm können die Regel bei so einem „afeitado“ sein, je nach Ausladung der Hörner, und das ohne örtliche Betäubung oder dass ein Tierarzt beiwohnt. Oft kommt es zu starken Blutungen, die durch einen Holzstift, der mit einem Hammer in die Öffnung geschlagen wird, gestoppt wird.

Das Horn wird dann spitz zu gefeilt und geschliffen. Sollte es nötig sein, werden seitlich vom Horn einige Schichten abgesplittet und entsprechend geglättet, um den Hörnern so ein harmonisches Gleichgewicht hinsichtlich Hornspitze und Horndicke zu geben. Anschließend wird die Spitze mit Wachs oder auch mit Maschinenschmiere eingerieben und etwas Erde darüber gerieben, um den Hörnern ein natürliches Aussehen verleihen.

Die gesamte Prozedur kann zu schweren Infektionen führen, was allerdings im Fall der Kampfstiere durch ihren baldigen Tod in einer Stierkampfarena nicht ins Gewicht fällt. Das heißt: sie erhalten keine Medikamente, die einer solchen Entzündung vorbeugen könnten. Und nach dieser Folter natürlich auch keine Schmerzmittel, die ihre Pein lindern könnten.
Allein die Szenen, die sich vor dem „afeitado“ abspielen, sind als extreme Tierquälerei zu beschreiben. Stiere, die man erst unter deren enormen Widerstand anseilen kann, um sie bewegungsunfähig zu machen. Nachdem man sie in die speziell vorgesehenen Käfige gelotst hat. Die gesamte, äußerst schmerzhafte, Prozedur muss der Stier vollkommen gebrochen, mit fest eingeschlossenem Kopf über sich ergehen lassen. Die weit aufgerissenen Augen und das verzweifelte Brüllen, das sich mit dem unangenehmen Geräusch der Kreissäge und dem Lachen derer mischt, die mit dieser Aufgabe betraut sind, geben Zeugnis seiner Panik und seiner Qual.

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Quelle: www.torolobby.org

Montag, November 18th, 2013, 23:17 | Allgemein, STIERKAMPF, VIDEOS | kommentieren | Trackback

2 Kommentare zu “Stierkampf – Das Schleifen der Hörner”

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  1. 1 21. November 2013, Isabel schreibt:

    Ja, diese Prozedur, die der Stier festgeklemmt und ohne Betäubung über sich ergehen lassen muss ist zweifelsohne höchst schmerzhaft. Doch was den Stierkampf zu Pferd anbelangt wird weiter erlaubt, dem Stier einen grossen Teil der Hörner abzusägen um das Pferd vor Hornstössen zu schonen. Der Stierkampf zu Pferd ist somit die grausamste Art der Stierkämpfe. Zumdem wird der Stier in Portugal am Ende der corrida nicht getötet. Schwer verletzt am Ende seiner Kraft, muss er noch die forçados (8 Burschen) abwehren. Der Stier wird nicht vor dem Publikum getötet sondern muss ausserhalb der Arena auf seinen Henker warten. Wie lange wird dieser Horror noch weitergehen?

  2. 2 12. November 2015, Horst W. schreibt:

    Da zeigt eine Isabel ein totales Halbwissen. Aber teilweise stimmt es sogar, was Sie zum Thema Stierkampf in Portugal schreiben. Was das Schleifen der Hoerner angeht, das findet wirklich statt, aber betrifft nur die Hornspitzen, und das tut genau so weh, wie bei uns das Schneiden der Fingernaegel, nur mit dem Unterschied, dass diese nachwachsen. Und schwer verletzt ist der Stier beim Verlassen der Arena noch nicht, das kommt erst, wenn die Farpas nicht fachgerecht entfernt werden, was leider oftmals der Fall ist. Und deswegen wuerden auch viele Aficionados in Portugal eine Toetung in der Arena vorziehen. Und was die Pferde betrifft, da ist die Quaelerei beim Springreiten oder bei Pferderennen weitaus hoeher. Liebe Isabel, wenn man der Meinung ist, dass man so schlaue und informative Kommentare verfasst, da sollte man sich ueber das Thema erstmals grundlegend informieren, und nicht mit Halbwissen ankommen.

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